Die App: "Der Zauberbaum"
Spielerisch soll die App "Der Zauberbaum" Kindern die Krankheit Krebs nahebringen. Bild © www.readitnow.info

Die Diagnose Krebs ist für viele ein Schock. Nicht nur das Leben der Erkrankten verändert sich, auch die Familie muss lernen, mit der Situation umzugehen. Für Kinder ist das besonders schwierig. Die App eines Frankfurter Vereins will helfen.

Mit der Diagnose Krebs umzugehen, fällt vielen schwer, gerade Kindern von Erkrankten. Deshalb raten Experten, dass erkrankte Eltern mit ihren Kindern über den Krebs sprechen. "Eltern müssen ehrlich sein und den Kindern erklären, was auf sie zukommt", sagt Psychotherapeutin Sabine Brütting, die sich ehrenamtlich für den Frankfurter Verein "Hilfe für Kinder krebskranker Eltern" engagiert.

Sie empfiehlt, den Kindern so früh wie möglich von der Krankheit zu erzählen. Doch gerade jüngeren Kindern fällt es häufig schwer, die Krankheit ihrer Eltern zu verstehen.

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Spielerischer Umgang mit der Krankheit

"Die Eltern haben oft das Problem, nicht die richtigen Worte zu finden", sagt Ulrich Lankisch, Vorsitzender des Vereins. Gegründet wurde der Verein 1997 von Ärzten der Strahlenklinik Offenbach und betroffenen Eltern. Ihr Ziel: Probleme von Kindern krebskranker Eltern stärker thematisieren.

2015 entwickelte der Verein schließlich eine App für Smartphones und Tablet-Computer, die Kinder spielerisch insbesondere über die Krankheit Brustkrebs aufklären soll: "Der Zauberbaum" (Zum Download: , ).

Kinder im Alter von zirka drei bis zehn Jahren und ihre Eltern können sie gemeinsam nutzen. Für Kinder gibt es unter anderem Spiele, Eltern erhalten Informationen und Anregungen für Gespräche mit ihren Kindern über die Krankheit.

App ermöglicht ersten Dialog

Im Mittelpunkt der App steht der Zauberbaum. Wird ein Video angesehen oder ein Spiel gespielt, erhalten die Kinder als Belohnung Baumschmuck. Der Zauberbaum ist von vier Themen-Häusern umgeben. In jedem gibt es einen Film, Informationstexte und Gesprächsleitfaden für die Erwachsenen sowie ein Spiel - zum gemeinsamen oder alleine Spielen. Kinder-Fragen wie "Habe ich etwas falsch gemacht? Was passiert mit Mamas Körper?" werden beantwortet.

Sandra Oser aus Esslingen erkrankte 2012 im Alter von 37 Jahren an Brustkrebs. Am liebsten hätte sie ihre Diagnose den Kindern verschwiegen. "Es war eine grausame Aufgabe, meinen zauberhaften Kindern von meiner Krankheit zu erzählen", sagt sie. Die Zauberbaum-App gab es damals noch nicht- zu Sandra Oser Bedauern. Sie ist sich sicher, dass die App Familien helfen kann.

App: Zauberbaum
Infotexte sollen Kindern und Eltern helfen, mehr über die Krankheit zu erfahren. Bild © www.readitnow.info

Mehr als 150.000 Betroffene

Die Zahl der Betroffenen ist hoch. 12 von 100 Patienten haben laut Krebsinformationsdienst zum Zeitpunkt der Diagnose Kinder, die jünger als 18 Jahre alt sind. Unter Brustkrebspatientinnen sind es sogar 35 von 100 Frauen. Laut dem Robert-Koch-Institut müssen sich jährlich 150.000 bis 200.000 Kinder und Jugendliche neu mit einer Krebserkrankung von Vater oder Mutter auseinandersetzen.

5 bis 15 Prozent der betroffenen Kinder erkranken psychisch, wenn nicht mit ihnen über die Krebserkrankung der Eltern gesprochen wird. 50 Prozent der Kinder zeigen klinisch relevante Auffälligkeiten. Sie schlafen schlecht, haben Konzentrationsprobleme oder Angstsymptome.

Das Alter spielt eine wichtige Rolle

"Für viele ist das eine emotionale Achterbahnfahrt", sagt Psychotherapeutin Brütting. Stimmungsschwankungen und schlechtere schulische Leistungen seien die häufigsten Folgen. In Einzelfällen komme es auch zu Depressionen oder Essstörungen.

In Einzel- oder Gruppensitzungen spricht Brütting deshalb mit den Kindern über ihre Probleme. "Die sind in den Altersgruppen sehr unterschiedlich", erzählt sie. Junge Kinder neigen eher dazu, das wissen zu wollen, was als nächstes kommt. Jugendliche denken weiter in die Zukunft.

"Zauberbaum" weltweit einmalig

"Die App ist da einmalig. Es gibt nichts Vergleichbares", sagt Vereinsvorsitzender Lankisch. Im ersten Jahr wurde sie rund 1.500 Mal heruntergeladen, seitdem laden ungefähr 100 Nutzer pro Monat die App runter.

"Die wenigsten Betroffenen sind aktiv auf der Suche und wissen gar nicht, welche Hilfsmöglichkeiten es gibt", sagt Lankisch. Deshalb versucht der Ehrenamtliche, möglichst viele Frankfurter Schulen zu besuchen und das Projekt bekannt zu machen.

Weitere Informationen

Verein "Hilfe für Kinder krebskranker Eltern"

Der bietet Eltern und Kindern jeder Altersgruppe eine Beratungs- und Informationsmöglichkeit. Betroffene können sich persönlich, telefonisch und per Brief oder Mail informieren. Zudem bietet der Verein regelmäßig Einzel- und Gruppensitzungen für Kinder an. Ein bis zwei Mal im Jahr werden ganze Wochenenden im Westerwald organisiert, bei denen sich Familien austauschen und beraten lassen können.

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