Im Sommer 2019 soll das Frankfurter Mainfuer zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke für den Autoverkehr gesperrt werden.
Im Sommer 2019 soll das Frankfurter Mainfuer zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke für den Autoverkehr gesperrt werden. Bild © Katrin Kimpel, www.readitnow.info / google maps, Montage www.readitnow.info

Straßencafés statt Blechlawinen: Die Stadt Frankfurt möchte die Autos ab Sommer 2019 vom nördlichen Mainufer verbannen und eine Flaniermeile einrichten - zunächst als Test für ein Jahr.

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Als Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Mittwoch über die Pläne der Stadt für ein autofreies Mainufer zu sprechen begann, präsentierte er erst einmal Pläne aus dem Jahr 1976. Echt jetzt? 1976? Oesterling wollte damit zeigen, dass die Idee, das rechte Mainufer auf einer Strecke von rund 1,2 Kilometern von Autos zu befreien, eigentlich uralt ist. Seit über 40 Jahren machen wechselnde Stadtregierungen sich Gedanken zum Thema - passiert ist bis 2018 nichts.

Starttermin soll das Mainfest im Sommer 2019 sein

Nun soll es wahr werden, wenn auch zunächst nur im Probebetrieb: Zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke soll das rechte Mainufer für den Autoverkehr gesperrt werden. An einem durchschnittlichen Tag fahren dort derzeit rund 20.000 Fahrzeuge entlang.

Starttermin soll zum Mainfest im August 2019 sein, das Ende der Testphase wäre dann wieder das Mainfest, oder spätestens das Museumsuferfest 2020. "Dann könnte man die ganzen Absperrungen auch noch für dieses Fest nutzen und muss den ganzen Kram nicht immer ab- und wieder aufbauen", sagte Oesterling.

Zuständig für die Sperrung ist allein die Stadt Frankfurt. Das Regierungspräsidium Darmstadt hält sich nach Angaben des Verkehrsdezernenten aus dem Thema raus. "Ich betrachte alle Fragen als lösbar, juristische, technische und sicherheitstechnische", sagte Oesterling.

Nur sperren - nicht umbauen

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Mainufer

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurt sperrt versuchsweise nördliches Mainufer

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Zunächst soll für die Testphase "kein großer Aufwand betrieben werden". Das heißt, das Mainufer wird einfach vorne und hinten mit sicheren - möglicherweise versenkbaren - Pollern dicht gemacht. "Es wird zunächst keine festen Einbauten geben, die nicht rückholbar sind", sagt Oesterling.

Restaurants etwa könnten Tische rausstellen, aber die Verkehrsfläche bliebe erst einmal erhalten, Asphalt würde nicht aufgebrochen. Fahrräder dürften diese Flächen weiterhin nutzen. Er sei zwar ein großer Befürworter der Testsperrung, so Oesterling, dennoch sei das ganze Projekt "ergebnisoffen" zu betrachten.

Oesterling: Touri-Rummel nicht erwünscht!

Was Oesterling allerdings nicht möchte, ist eine ausgiebige touristische Nutzung mit "Buden, Bühnen, Karussells, also jedem Rummel, der Kohle bringt". Das Mainufer sei als Wohnstraße ohne Geschäfte oder Einzelhandel ein traditionelles Ausflugsziel der Frankfurter und ihm schwebe eher eine "ruhige Naherholungsnutzung" vor. Das käme auch den Anwohnern entgegen, die sich schon sehr auf die Sperrung freuten.

Am Ende entscheidet die Politik über Erfolg oder Misserfolg

Was mit dem Verkehr passiert, der sich dann neue Wege suchen muss, ist nicht klar. "Wir werden den Versuch mit Zählungen an den Ausweichstrecken begleiten." Erfahrungsgemäß dauere es einige Zeit, bis sich Autofahrer auf neue Wege einstellten. "Am Ende ist es aber wohl entscheidend, ob der Verkehr läuft", nimmt Oesterling das Ergebnis der Testphase ein Stück weit vorweg. Aber bei der Einkaufsstraße Zeil und nördlicher Eschersheimer Landstraße habe es ja auch geklappt.

Ob am Ende das rechte Mainufer dauerhaft autofrei sein wird, ist eine politische Entscheidung. Jede Partei in der Römerkoalition aus CDU, SPD und Grünen wird ihr eigenes Fazit aus den Ergebnissen des Testlaufs ziehen und in der Stadtverordnetenversammlung entsprechend abstimmen. Im Erfolgsfall soll es dann einen städtebaulichen Wettbewerb geben, wie das Mainufer dauerhaft umgestaltet werden soll.

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Sperrung steht im Koalitionsvertrag

Die Sperrung der Ost-West-Verbindung am nördlichen Mainufer hatten SPD, CDU und Grünen 2016 gemeinsam im Koalitionsvertrag beschlossen. Die SPD hatte das Autoverbot schon früher gefordert. Union und Grüne waren dagegen lange ablehnend. Sie hatten für den Rückbau der Berliner Straße - einer parallel führenden Ost-West-Verbindung – von vier auf zwei Straßen plädiert.

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Ihre Kommentare Neue Flaniermeile in Frankfurt: Ein Vorbild für andere Städte?

24 Kommentare

  • Top!

    Amüsant, dass genau die Pendler was gegen die Pläne haben und sich über das Verkehrsaufkommen beschweren. Seltsam, dass jeder alleine im Fahrzeug sitzt ;-)

    Was fehlt ist die Einführung der Pendlersteuer.
    Dies in ausreichender Höhe und wir erleben leere Straßen und, bitte festhalten, Fahrgemeinschaften. Alternativ wäre eine Dezentralisierung der Arbeitsplätze, aber das wäre lahm. Pro Pendlersteuer!

  • Not your Ernst ?!?
    Als Berufspendler quäle ich mich seit fast 20 Jahren von Mühlheim am Main aus in die Nähe des Westbahnhofes / Opelkreisel. Da die A 3 regelmäßig zw. Flughafen und Hanau knüppeldicht ist, weiche ich zwangsläufig auch durch die Innenstadt FFM aus.
    Sie wollen tatsächlich die zwei Fahrspuren am nördlichen Mainufer stadtauswärts auf die eine noch verbleibende Fahrspur am Museumsufer reduzieren?!?
    Ich finde es unfassbar, dass es eine " so called Metropole " wie Frankfurt es einfach nicht fertig bekommt, im Jahre 2018 eine halbwegs anständige Verkehrsverflüssigung mindestens zu den Stoßzeiten zu gewährleisten! Die Uhrzeiten und die Richtung, aus denen der Stoßverkehr ein-und wieder ausfließt sind bekannt! Mal ganz abgesehen vom Berufsverkehr, der durch tausende Pendler verursacht wird, wird auch der extreme Messe-Großevent-und Baustellenverkehr, welcher noch on top kommt, einfach ausgesperrt???
    Die Verantwortlichen hierfür fliegen mit dem Heli in ihr Büro?

  • Der erste zukunftsweisende Schritt in Richtung autofreie Innenstädte. Längst überfällig. In diesem Abschnitt handelt es sich übrigens auch um durchschnittliche Mietwohnungen. Diese Häuser standen schon vor dem zunehmenden Autoverkehr in der Innenstadt.

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