Blick auf die zerstörte Edertalsperre, die am 17.05.1943 von der britischen Royal Airforce bombardiert wurde.
Blick auf die zerstörte Edertalsperre, die am 17.05.1943 von der britischen Royal Air Force bombardiert wurde. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Eine britische Bombe zerstörte 1943 die Edersee-Sperrmauer, mindestens 47 Menschen starben in den Fluten: 75 Jahre später streiten die Gemeinde Edertal und ein Museumsbetreiber über das richtige Gedenken.

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Zwei Mal gedenken Menschen in Edertal am Donnerstag der Zerstörung der Sperrmauer durch eine britische Bombe vor 75 Jahren. Einmal bei einem Gottesdienst im Ortsteil Affoldern, den die Flut damals fast auslöschte. Mindestens 47 Menschen starben. Und einmal auf dem Vorplatz der Edertalsperre, organisiert vom örtlichen Dumbusters ("Dammbrecher") Museum.

Es ist ein Gedenken im Streit. Bürgermeister Klaus Gier (Freie Wähler) nimmt an der Feier des Museums demonstrativ nicht teil. Museumsmacher Oliver Köhler kommerzialisiere das tragische Kriegsereignis, sagt er. Köhler nutze den Schrecken, um sein Museum populär zu machen. Zu viel Militaria-Faszination, heißt es im Rathaus. Auch Landrat Reinhard Kubat (SPD) verzichtet darauf.

"Apokalyptischer Tag"

Dafür erwartet Museumsmacher Köhler ausländische Militärvertreter und Diplomaten sowie Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die an diesem Tag Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vertritt. Die Ministerin lege einen Kranz zum Gedenken an die Opfer nieder und nehme auch aus Respekt vor den internationalen Gästen teil, sagte ihr Sprecher zu www.readitnow.info.

Blick auf die Reste des fast völlig zerstörten Dorfes Affoldern, wenige Kilometer hinter der Sperrmauer des Edersees.
Blick auf die Reste des 1943 fast völlig zerstörten Dorfes Affoldern, wenige Kilometer hinter der Sperrmauer des Edersees. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Der Bürgermeister sieht als Ort des Gedenkens der Bevölkerung den Gottesdienst in Affoldern. Pfarrer Klemens Blum erklärt, warum das Gedenken des Museums kritisch gesehen wird. "Der 17. Mai 1943, der Tag der Zerstörung der Staumauer, hat sich als apokalyptischer Tag in das Gedächtnis der Menschen eingeschrieben", sagte er, "da hingen ganze Familien dran."

Museumsmacher und Bürgermeister im Streit

Oliver Köhler erklärt: "Ich kann verstehen, dass die, die das erlebten, einen anderen Zugang haben." Zum Bürgermeister findet der Museumsunternehmer allerdings deutliche Worte: "Totale Ignoranz" wirft er ihm vor.

Laut Köhler empfinden einige Edertaler die Einladung von Briten als Skandal. Dafür habe er aber kein Verständnis, Kriegsopfer seien schließlich auch die 53 britischen Piloten, die beim Angriff auf die Edertalsperre gestorben seien.

Pfarrer Blum sieht die Ursache Streits in unterschiedlichen Perspektiven: Die Gedenkveranstaltung mit internationalen Gästen sei von militärisch-historischem Interesse geprägt, der Zugang vieler Einwohner eher persönlich-emotional. Das zeigt auch die Rolle, die die Staumauer-Bombardierung im Tourismus spielt: anders als beim Museum nämlich keine. Die Bombardierung werde bewusst nicht vermarktet, sagt Claus Günther, Geschäftsführer der Edersee Touristic: "Es hat uns Leid gebracht, man muss Respekt davor haben."