Die Bildkombo zeigt eine Justiziastatue und Portraits der bevorstehenden Justizprozesse
Mordanklage gegen eine Sektenführerin und der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 14-jährigen Susanna: 2019 stehen große Prozesse bevor. Bild © hr, picture-alliance/dpa

Wurde die 14-jährige Susanna ermordet? Wie geht es weiter im Streit um das Werbeverbot für Abtreibungen? Ist eine mutmaßliche Sektenführerin verantwortlich für den Tod eines Jungen vor 30 Jahren? Hessische Gerichte müssen 2019 in aufsehenerregenden Fällen urteilen.

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Zeugentisch in einem Verhandlungssaal im Landgericht Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rückblick: Das waren die großen Prozesse des Jahres 2018

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Mord verjährt nicht, und so muss manches Gericht tief in der Vergangenheit graben - wie beim anstehenden Prozess gegen eine Sektenführerin aus Hanau. Ihr wird vorgeworfen, vor 30 Jahren einen Jungen getötet zu haben. Auch der Mordfall an der 14-jährigen Susanna kommt vor Gericht, nachdem das Schicksal des Mädchens im vergangenen Frühjahr bundesweit für Aufsehen gesorgt hat. Hessens Gerichte müssen 2019 große Fälle verhandeln - ein Überblick:

Weiterer Prozess um Werbung für Abtreibungen

Zwei Frauenärztinnen aus Kassel sind wegen des Paragrafs 219a angeklagt, der Werbung für Abtreibung verbietet. Doch was ist darunter zu verstehen? Die beiden Ärztinnen bieten auf ihrer Internetseite Informationen zu Leistungen der Praxis an - darunter Schwangerschaftsabbrüche.

Wegen des gleichen Vorwurfs wurde im vergangenen Jahr die Gießener Ärztin Kristina Hänel zu einer Strafe von 6.000 Euro verurteilt. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen und entfachte eine Debatte um eine mögliche Reform des umstrittenen Paragrafen 219a.

Am 28. Januar geht der Prozess gegen die Ärztinnen aus Kassel weiter, nachdem er im vergangenen Jahr unterbrochen worden ist. Eine der Ärztinnen hatte einen Befangenheitsantrag gegen den Richter gestellt. Die Angeklagte Nora Szász hält die Vorwürfe für absurd und verteidigte im Gespräch mit www.readitnow.info die Notwendigkeit, über Abtreibungen zu informieren.

Nora Szász, Natascha Nicklaus, Kristina Hänel vor Gericht
Von links: Die Ärztinnen Nora Szász, Natascha Nicklaus, Kristina Hänel. Bild © picture-alliance/dpa

Auch unter Juristen ist der Paragraf umstritten. Im Prozess gegen Hänel machte der Richter deutlich, dass er große Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Paragrafen 219a habe. Er verurteilte die Ärztin trotzdem.

Prozess im Mordfall Susanna

Junge Frauen legen an einer provisorischen Gedenkstätte Blumen nieder
Jugendliche legen Blumen an einer Gedenkstätte für die getötete Susanna nieder. Bild © picture-alliance/dpa

Im Frühjahr soll der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 14-jährigen Schülerin Susanna beginnen. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat im vergangenen Jahr Anklage gegen Ali B. erhoben. Susannas Leiche wurde im vergangenen Mai in Wiesbaden-Erbenheim entdeckt.

Der Fall sorgte auch wegen der Umstände rund um die Festnahme von Ali B. bundesweit für Aufsehen: Wenige Tage nach dem Tod von Susanna reiste er aus einer Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern in den kurdisch kontrollierten Nordirak aus.

Die kurdischen Sicherheitsbehörden nahmen ihn dort fest und übergaben ihn der Bundespolizei. Deren Chef Dieter Romann brachte ihn persönlich nach Hessen zurück - ein höchst ungewöhnlicher Schritt. Gegen ihn wurde daraufhin wegen Verdachts der Freiheitsberaubung ermittelt.

Pflegerin wegen versuchten Mords an Frühchen angeklagt

Am 31. Januar beginnt vor dem Landgericht Marburg die Verhandlung gegen eine frühere Krankenschwester der Uniklinik, die drei Frühchen nicht verordnete Medikamente verabreicht haben soll. Angeklagt ist die Frau unter anderem wegen versuchten Mordes. Zwei Kinder überlebten. Das dritte starb, was aber nichts mit den mutmaßlichen Taten der Krankenschwester zu tun haben soll.

Der Prozess wird die Richter voraussichtlich das gesamte Jahr über beschäftigen: Bislang sind mehr als 70 Verhandlungstage bis Ende Februar 2020 angesetzt.

Prozess gegen mutmaßliche Sektenführerin

Sektenführerin Hanau
Sylvia D. soll vor 30 Jahren als Anführerin einer Sekte den damals vierjährigen Jan ermordet haben. Bild © hr

Mehr als 30 Jahre nach dem Tod eines Vierjährigen muss sich in Hanau voraussichtlich eine mutmaßliche Sektenführerin vor Gericht verantworten. Der 71 Jahre alten Angeklagten wird vorgeworfen, den Jungen mit einem über den Kopf zugeschnürten Leinensack im Badezimmer zum Schlafen gelegt zu haben. Sie habe das Kind trotz seiner Schreie nicht befreit. Der Junge starb bei dem Vorfall im August 1988 in dem Leinensack.

Bereits im September 2017 gab die Staatsanwaltschaft Hanau die Mordanklage bekannt. Das Landgericht hat das Verfahren aber noch nicht zugelassen und eröffnet. Wegen vermehrter Haftsachen konnte der umfangreiche Prozess im vorigen Jahr noch nicht beginnen. Allein die Anklageschrift zu dem Fall umfasst laut Oberstaatsanwalt Dominik Mies 160 Seiten.

Betrug mit Telefonsex-Hotline

In Fulda müssen sich am Landgericht drei Angeklagte - ein Ehepaar und eine Mitarbeiterin - wegen gewerbsmäßigen und versuchten Betrugs verantworten. Sie sollen mit einer Telefonsex-Hotline unberechtigte Forderungen geltend gemacht haben. Sie sind in 150 Fällen angeklagt. Meist seien Rechnungen im zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Euro-Bereich gestellt worden.

Die Firma soll von den Anrufern der Hotline sogar dann Geld verlangt haben, wenn diese noch vor der Inanspruchnahme der Dienstleistung aufgelegt hatten. Zahlten die Anrufer nicht den geforderten Betrag, machte das Unternehmen laut Staatsanwaltschaft mit einem ausgeklügelten Mahnsystem Druck. Der Prozess soll im März beginnen.

Eine Million für Baumplantagen und erfundene Häuser

In Frankfurt wird es in einem Prozess um angeblich gewinnbringende Baumplantagen in Südamerika gehen. Wenig einträglich für Geldanleger sollen auch die Investitionen in Eigentumswohnungen mit abgetretenen Bausparguthaben gewesen sein: Es geht um 87 Geschädigte, die jeweils bis zu 30.000 Euro in Wohnungen investierten, die es laut Anklage gar nicht gab. Der Gesamtschaden soll bei weit mehr als einer Million Euro liegen.