Ein Schüler schlägt einen anderen Schüler
Ein Schüler schlägt einen Mitschüler - die Szene auf dem Foto ist gestellt, doch in Wirklichkeit häufen sich Schlägereien und Raubüberfälle auf Schulhöfen. Bild © picture-alliance/dpa

Mehr Fahrraddiebstähle, mehr Prügeleien: Die Zahl der Straftaten auf Schulhöfen ist 2017 leicht gestiegen. Allerdings liegt sie deutlich unter dem Niveau von 2008. Unklar bleibt aber, wie viele Delikte Lehrer der Polizei melden.

Die Polizei erfasste 2017 insgesamt 6.079 Vergehen. Das sind 89 mehr als im Vorjahr, wie eine Datenauswertung des Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden ergab.

Nach ausgewählten Delikten geordnet stellt sich die Entwicklung laut LKA-Statistik so dar:

  • Fahrraddiebstähle: 853 gegenüber 769 im Vorjahr ( 11 Prozent)
  • Körperverletzungen: 884 gegenüber 822 im Vorjahr ( 7,5 Prozent)
  • davon einfache Körperverletzungen (Kinder schubsen sich so stark, dass eines hinfällt): 582 gegenüber 551 im Vorjahr ( 5,6 Prozent)
  • davon gefährliche Körperverletzungen (etwa eine Prügelei, bei der drei Jugendliche gegen einen kämpfen): 208 gegenüber 182 im Vorjahr ( 14,3 Prozent)
  • Rohheitsdelikte insgesamt (Körperverletzung, Bedrohung, Raub): 1.118 gegenüber 1.024 im Vorjahr ( 9,2 Prozent)
  • davon Bedrohungen: 128 gegenüber 105 im Vorjahr ( 21,9 Prozent)

Erstmals registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 23 Fälle sexueller Belästigung, 20 davon konnten aufgeklärt werden. Diese Zahlen sind jedoch kaum mit dem Vorjahr vergleichbar, da 2017 das Sexualstrafrecht geändert wurde. So wird neuerdings beispielsweise das Berühren in sexueller Absicht einbezogen.

2008 wurden noch 8.181 Straftaten registriert

Insgesamt verbesserte sich die Aufklärungsquote nach Angaben des LKA von rund 42 auf 46 Prozent. Im Jahr 2008 lag sie bei rund 41 Prozent. Allerdings registrierte die Polizei damals noch insgesamt 8.181 Straftaten an Schulen, also deutlich mehr als in den zurückliegenden beiden Jahren. 

Zum Rückgang trugen Präventionsangebote der Polizei wie Fahrradcodierungen bei, wie ein LKA-Sprecher zu www.readitnow.info sagte. Zudem sitze mit einem Jugendkoordinator in jeder Polizeidirektion ein Ansprechpartner für die Schulen, der bei größeren Problemen vermittle. Möglicherweise regelten Schulen auch Zwischenfälle unter Kindern und Jugendlichen verstärkt intern mit pädagogischen Mitteln, mutmaßte der Polizist.

Lehrer müssen Vorfälle nicht melden

Lehrer sind nicht dazu verpflichtet, jeden Vorfall der Polizei zu melden. Statt einer Anzeige können sie das Thema - etwa Diebstahl - im Unterricht aufarbeiten. Zudem werden auch Straftaten in die Statistik aufgenommen, die sich zwar außerhalb der Schulzeit, aber auf dem Gelände der Schule ereignet haben. Ob der jugendliche Täter Schüler der betroffenen Schule war, erfassen die Statistiken nicht. 

"Prävention und Aufklärung gehören unbedingt in den Unterricht", fordert Landesschülervertreter Fabian Pflume. Für ihn fehlt es vor allem an Schulpsychologen: "Vor allem Mobbing ist ein großes Thema für die Schüler im Land, sowohl psychischer als auch körperlicher Art."

Landeselternbeirat: Gewalt nimmt nicht zu

"Lehrer und Eltern sind sensibler geworden und melden Vorfälle vielleicht öfter", meint die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW Hessen, Maike Wiedwald. An der grundsätzlichen Situation habe sich nach ihrer Wahrnehmung kaum etwas geändert: "Gerade Gewaltprävention lässt sich gut in den Unterricht einbauen, doch vielen Lehren fehlt dazu die Zeit." Sie wünscht sich, dass Schulen mehr mit externen Fachkräften aus der Jugendhilfe zusammenarbeiten.

Der Landeselternbeirat hat nicht unbedingt den Eindruck, dass körperliche Gewalt an Schulen zugenommen hat. Das Bewusstsein seitens der Eltern für Mobbing an Schulen sei aber gewachsen, sagte der Vorsitzende Reiner Pilz. Viele Schüler scheuten davor zurück, sich an eine Vertrauensperson zu wenden. "Die meisten leiden stumm", erklärt Pilz. Der Landeselternbeirat fordert daher den Ausbau der Schulsozialarbeit, um Mobbing und körperlicher Gewalt entgegenzuwirken. 

Sendung: hr-fernsehen, readitnow, 23.04.2018, 19.30 Uhr