Restaurator Stephan Knobloch mit "Bildnis der Schauspielerin Fanny Janauschke"
Mit feinem Pinselstrich bessert Stephan Knobloch kleine Fehler am "Bildnis der Schauspielerin Fanny Janauschke" (Arnold Böcklin, 1861) aus. Bild © www.readitnow.info / Städel Museum

Um als Restaurator zu arbeiten, braucht es nicht nur eine Menge Geduld. Auch ein Verständnis für chemische Analysen ist wichtig. Auf keinen Fall aber dürfe man an den Wert eines Kunstwerks denken, sagt der Restaurator des Frankfurter Städel Museums.

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Utensilien für die Restauration von Kunstwerken

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zu Besuch im Restauratoren-Atelier des Städel

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Mit der etwas muffig dreinblickenden Schauspielerin Fanny Janauschek verbringt Stephan Knobloch derzeit besonders viel Zeit. Oft war er zuletzt an ihr vorbeigeschlichen, etwas trübe war sie geworden. "Da waren halt mehrere Firnis-Schichten aufgetragen, die durch Alterung stark nachgedunkelt waren", sagt Knobloch über das Werk von Arnold Böcklin aus dem Jahr 1861.

Seit Monaten schon restauriert der Leiter der Restaurierungsabteilung für moderne Gemälde und Skulpturen im Frankfurter Städelmuseum das Bild. Auf einer Kachel rührt er dunkle Farbe an und tupft sie mit einem hauchdünnen Pinsel auf das große Gemälde. Dabei trägt er eine Vergrößerungsbrille und hat sich eine extra Lampe aufgestellt. Es riecht etwas nach Lösungsmittel, im Hintergrund brummt ein Belüftungsgerät. Die Pinselstriche sind so fein, dass man sie mit bloßem Auge nicht erkennt.

Wenn alles gut geht, wird Fanny Janauschek im kommenden Frühsommer wieder in altem Glanz erscheinen. Aber auch danach wird ihm die Arbeit im Museum sicherlich nicht ausgehen. Die Sammlung des Städel umfasst mehr als 3.000 Gemälde, 660 Skulpturen, 4.600 Fotografien und mehr als 100.000 Zeichnungen und Grafiken.

Restauratoren machen mehr als nur Restaurationen

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Ausbildung zum Restaurator:

Nach dem Abitur muss ein mindestens einjähriges Vorpraktikum absolviert werden. An einigen Hochschulen wird alternativ eine entsprechende Ausbildung anerkannt. Mit einer Bewerbungsmappe können sich Studieninteressierte dann an Universitäten für den Bachelor-Studiengang bewerben. Es folgt eine Aufnahmeprüfung. Das Städelmuseum empfiehlt außerdem, im Anschluss noch einen Master zu machen. Museen bieten nach erfolgreich abgeschlossenem Studium wissenschaftliche Volontariate an.

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Zwei Stockwerke hat Knoblochs Atelier, im unteren ist es sehr dunkel, die Wände sind kohlrabenschwarz. Hier untersuchen die Restauratoren die Kunstwerke mit Infrarot- und UV-Strahlen. Sogar Röntgengeräte kommen zum Einsatz, deswegen hängen in der Ecke ein paar Schutzumhänge wie beim Arzt.

Im oberen Stockwerk hat Knobloch bei seiner Arbeit über fast bodentiefe Fenster einen Blick in den Innenhof des Museums – direkt auf die Wiese mit den Bullaugen-Fenstern. In dem lichtdurchfluteten Atelier gibt es viel zu entdecken: an einer Wand hängt Werkzeug. Auf kleinen Wagen stehen diverse Glasfläschchen mit allerlei Flüssigkeiten. Dazwischen liegen Scheren, stehen Pinsel. In einem großen Holzschrank werden Flaschen mit Farbpigmenten gelagert.

Klassische Aufgaben eines Restaurators sind das Ausbessern von Fehlern und die Konservierung von Werken, damit sie noch lange Zeit ausgestellt werden können. Aber Restauratoren machen noch viel mehr. So kümmern sie sich auch um das richtige Klima und Licht in den Ausstellungsräumen und machen kunsttechnologische Analysen von Gemälden und Skulpturen.

Das Atelier der Restauratoren des Städelmuseums
Restaurator Stephan Knobloch in seinem Atelier Bild © www.readitnow.info

Der Kunstlehrer animierte ihm zum Job

Eigentlich wollte Knobloch selbst Künstler werden - doch sein Kunstlehrer riet ihm davon ab. Die Bilder, die er im Unterricht male seien zwar sehr gut, doch nicht gut genug, habe der Lehrer ihm damals gesagt, erinnert sich Knobloch. Das habe ihn schwer getroffen.

Der Kunstlehrer organisierte seinem Schüler ein Praktikum bei einem Restaurator und dafür ist dieser ihm bis heute dankbar. Mitnichten reiche es aus, gute Kunstnoten zu haben, erklärt Knobloch: "In unserem Beruf spielen naturwissenschaftliche Analysen eine große Rolle. Das heißt nicht zwingend, dass wir kleine Physiker und Chemiker sind, aber die Leute müssen in der Lage sein, den Befund eines einschlägig spezialisierten Naturwissenschaftlers zu verstehen und lesen zu können."

Lieber nicht an den Wert des Werkes denken

Angst davor, mit einem Fehler ein Werk zu beschädigen, hat Knobloch übrigens nicht. Eine Sache solle man aber bei der Restauration eines Bildes auf jeden Fall vermeiden: "Ich glaube, was zu einer großen Fehlerquelle führt, ist wenn Sie ununterbrochen bei Ihrer Arbeit über den Wert – sowohl den finanziellen als auch den ideellen Wert - eines Gemäldes nachdenken. Das geht schief", sagt er.

Seit 28 Jahren arbeitet der in Karlsruhe aufgewachsene Mann nun im Städel Museum. Sein Job begeistert ihn nach wie vor: "Die Möglichkeit, sich mit einem Kunstwerk ganz intensiv auseinander zu setzen, das ist schon super." Stolz sei er, wenn er später das restaurierte Werk im Museum hängen sehe. "Das sind dann so alte Bekannte, denen man in der Sammlung begegnet."