Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele 2018
Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele 2018 Bild © picture-alliance/dpa

Nach dem Abgang von Star-Regisseur Dieter Wedel beginnt bei den Bad Hersfelder Festspielen eine neue Zeitrechnung. Neuer Intendant ist Joern Hinkel. Er setzt Wedels Pläne vorerst fort - mit einem entscheidenden Unterschied zum Auftakt.

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Es ist nicht weniger als eine neue Ära, die am Freitag mit der Eröffnung der 68. Bad Hersfelder Festspiele eingeläutet wurde - schließlich sind es die ersten nach dem Rücktritt von Intendant Dieter Wedel. Der Star-Regisseurs hatte die Leitung nach Belästigungsvorwürfen im Januar abgegeben. Mit Joern Hinkel übernahm sein langjähriger Assistent die kommissarische Leitung des Freilicht-Festivals.

Jörn Hinkel, kommissarischer Intendant der Bad Hersfelder Festspiele
Im Januar übernahm Joern Hinkel die Leitung der Festspiele. Bild © picture-alliance/dpa

Auch der diesjährige Spielplan war zum Zeitpunkt von Wedels Rücktritt schon festgeschrieben. Eine entscheidende Änderung gibt es aber: Ursprünglich sollten die Spiele mit dem "Karlos-Komplott" eröffnet werden, das Wedel selbst geschrieben hat. Aber ein Wedel-Stück ohne Wedel inszenieren? Für den neuen Leiter Hinkel nicht denkbar, wie er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagt: "Ich halte es für unmöglich, ein Wedel-Stück ohne ihn für die Bühne einzurichten." Außerdem würde das Stück immer im Zusammenhang mit den Anschuldigungen gegen Wedels Person gesehen werden, befürchtet der neue Intendant.

Star-gespicktes Ensemble

Stattdessen bekamen die Zuschauer am ersten Abend das Stück "Peer Gynt" von Henrik Ibsen nach einer alten norwegischen Sage geboten. In der Hauptrolle ist Hersfeld-Preisträger Christian Nickel zu sehen, der schon bei den Eröffnungspremieren der vergangenen Jahre in "Martin Luther - Der Anschlag" und "Hexenjagd" - beide inszeniert von Dieter Wedel – spielte.

Die weiteren Schauspieler sind ebenfalls keine Unbekannten: Für "Peer Gynt" konnten unter anderem Nina Petri, Anouschka Renzi, Andreas Schmidt-Schaller und Schauspiel-Bösewicht Claude-Oliver Rudolph gewonnen werden. Auch die sechs weiteren Produktionen – darunter die Uraufführung von "Shakespeare in Love", das Musical "Hair" und den Vorjahres-Erfolg "Titanic" - sind mit Schauspielern wie Brigitte Grothum, Horst Janson, Martin Semmelrogge und Robert Joseph Bartl prominent besetzt.

Bad Hersfelder Festspiele: Ensemble des Stücks "Peer Gynt"
Das Ensemble des Stücks "Peer Gynt" mit Intendant Jörn Hinkel (2.v.l.). Bild © picture-alliance/dpa

Schaulaufen auf dem Roten Teppich

Eröffnet wurden die Festspiele am Abend mit einem Festakt vor mehr als 1.000 Zuschauern. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) als Festredner bezeichnete Bad Hersfeld als "Festival mit großer Strahlkraft", das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sei. Für Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ist das Festival ein "besonders heller Stern am Kulturhimmel". 770.000 Euro fließen an Fördergeldern aus der Landeskasse.

Nach dem Festakt folgte der Empfang prominenter Festspielgäste auf dem roten Teppich vor der Stiftsruine. Und diese Gästeliste konnte sich sehen lassen: Schauspieler wie Richy Müller, Marie-Luise Marjan und Martin Semmelrogge hatten sich ebenso angekündigt wie der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung, die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und Box-Weltmeister Henry Maske.

Dass die Festspiele mittlerweile große Namen nach Bad Hersfeld ziehen, hängt Hinkel zufolge mit der Auswahl der Stücke zusammen: "Man kann Schauspieler auch mit Inhalten überzeugen", sagte er im Gespräch mit der FAZ. Wie Vorgänger Wedel wolle er Theater machen, das Freude bereitet und Emotionen weckt – und so auch Besucher aus ganz Deutschland nach Bad Hersfeld locken.

Hinkel plant schon die Zukunft

Die Struktur des Festivals, bestehend aus einem Klassiker, einem Musical und einigen kleineren Stücken, wolle er größtenteils beibehalten, sagte er der FAZ. Er entwickele aber auch schon eigene Ideen, zum Beispiel die Erweiterung des Programms um eine Oper und Tanzaufführungen. Das zeigt: Hinkel hat nicht vor, nach nur einem Jahr als Intendant das Handtuch zu werfen. Ähnlich äußerte sich der Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) bereits im Januar. Nach dem Ende der Saison, die bis zum 2. September geht, wolle man sich mit den Sponsoren und Förderern zusammensetzen, um einen neuen Intendanten zu suchen, hieß es damals. Und: "Danach kann der Intendant durchaus wieder Joern Hinkel heißen."

In einer Sache dürfte Hinkel die Verantwortlichen von Bund und Land schon einmal überzeugt haben: Der geplante Etat beträgt rund acht Millionen Euro – und liegt damit gut eine Million unter den Rekord-Ausgaben des Vorjahres.