Schafe auf Weide mit Grafik
In Uli Aechtners Krimi findet ein Schäfer auf seiner Weide in der Nähe von Frankfurt ein kleines Kind. Bild © picture-alliance/dpa/hr

Das fiktive Dorf Erlenweil in der Wetterau steht Kopf: ein Findelkind auf der Schafweide, eine Leiche in der Nidda und eine weitere, von einem Wolf angenagte im Gebüsch. Uli Aechtners neuer Krimi führt in die merkwürdige Szene der Prepper.

Die Geschichte:

Als der Schäfer Matthäus seine Schafe zur Schlafstelle führt, findet er in der kalten Asche eines niedergebrannten Lagerfeuers einen lebenden Säugling. Das Baby kommt ins Krankenhaus und Kommissar Christian Bär aus Bad Vilbel ins Spiel.

Auf der Isolierstation verliebt er sich in eine mehr als berückende Frau, mit der er eine heiße Affäre beginnt. Und er erfährt: Das Findelkind, das schwarze Hautfarbe hat, leidet an einer tödlichen Virus-Infektion.

Kurz darauf gibt es weitere Tote: Die gesichtslose Leiche eines Mannes treibt unweit der Baby-Fundstelle im Strudel eines Wehrs der Nidda. Und im nahen Gebüsch liegt noch eine Männerleiche, offenbar angenagt von einem Wolf.

Schafe auf Weide
Bild © Emons Verlag

Die Ermittlungen führen Kommissar Bär und seine Freundin, Journalistin Roberta Hennig, in verschiedene Richtungen: Da ist das Marburger Viren-Institut, das nach einem Mittel gegen den Erreger der Seuche Ebola sucht. Da ist ein Blogger, der sich einst als Forscher in Afrika engagiert hat.

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Das Wort Prepper leitet sich vom englischen "Be prepared - Allzeit bereit" ab. Prepper sind Menschen, die von Dosenravioli bis Waffen alles Mögliche horten und Schutzbauten errichten, um sich auf jedwede Art von Katastrophe vorzubereiten. In dieser Szene tummeln sich neben eher gemäßigten Liebhabern des Weltuntergangs auch Reichsbürger, rechte Gruppierungen und Verschwörungstheoretiker.

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Und da ist Robertas 15-jähriger Nachbar, der für Ärger sorgt: Er klaut ihre Einkäufe, hortet Dosen, Gläser und anderes Überlebenszeug in seinem Schrank. Ein Prepper, wie er mit Stolz bekennt. Aus dem Ruder läuft alles, als dieser Junge die neunjährige Nichte des Kommissars an den Fundort des Babys lockt.

Kurzkritik:

Kommissar Christian Bär und die Journalistin Roberta Hennig sind ein erfreuliches Ermittlerpaar in der Krimiszene, in der sich sonst Polizei und Presse klischeehaft gerne spinnefeind sind. Nach einer komplizierten amourösen Verquickung haben die beiden zu einer stabilen Freundschaft gefunden. Aechtner hat ein Händchen dafür, in wenigen Worten oder Szenen - bis hin zu den Nebenfiguren - Charaktere zu schaffen, die glaubwürdig sind und deren Handlungen und Motive man nachvollziehen kann.

Gelungen ist auch Bärs Chef. Er ist ein Besserwisser erster Güte, der Bär zwar mit seinem Wissen nervt, aber dramaturgisch dazu dient, dem Leser Sachverhalte näherzubringen. Ebenso gelungen sind die Naturbeschreibungen der Autorin, denen man ihre Liebe zu allem, was grünt und blüht, anmerkt. Und sie hat gut recherchiert, sei es über den Beruf des Schäfers oder die Rekonstruierung eines menschlichen Gesichts anhand des Knochenbaus. Und nicht zu vergessen und ganz wichtig: Uli Aechtner hat Humor.

Ach ja, das Ende ist für einen Krimi ziemlich ungewöhnlich. Mehr wird nicht verraten!

Die Autorin:

Uli Aechtner
Uli Aechtner Bild © Britta Schmitz

Uli Aechtner, 1952 in Bonn geboren, ist von Beruf Journalistin. Nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Kunstwissenschaften arbeitete sie für das französische Fernsehen TF1 und später für den SWF/SWR in Mainz, wo sie das Regionalmagazin "Landesschau" moderierte. Heute arbeitet sie frei für ARD und ZDF.

Aechtners erster Krimi "Too much TV "erschien 1995 im Rotbuch Verlag. Neben Kurzgeschichten hat sie mehrere Romane veröffentlicht. Der Krimi mit dem urhessischen Titel "Die Bach runter" ist der vierte Band um Christian Bär und Roberta Hennig