Zwei Hände (in Handschuhen) tippen vor einem Bildschirm auf eine Tastatur.
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Der Verdächtige im Fall des Hackerangriffs auf Spitzenpolitiker und Prominente hat seine Taten gestanden. Der 20 Jahre alte Schüler aus Homberg (Ohm) handelte offenbar alleine. Als Grund nannte er "Verärgerung über öffentliche Äußerungen".

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Im Fall des massiven Datendiebstahls ist der festgenommene Tatverdächtige freigelassen worden. Dabei handelt es sich um einen 20 Jahre alten Schüler aus Hessen, wie das Bundeskriminalamt (BKA) und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt in einer Pressekonferenz am Dienstag mitteilten. Der Beschuldigte sei nach seiner Vernehmung am Montag mangels Haftgründen noch am selben Tag aus dem Gewahrsam entlassen worden.

Gegen den 20-Jährigen werde wegen des Verdachts des Ausspähens und der unberechtigten Veröffentlichung personenbezogener Daten von Politikern, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens ermittelt.

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Er habe die gegen ihn erhobenen Vorwürfe umfassend eingeräumt und darüber hinaus Aufklärungshilfe geleistet, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Ermittler. Der junge Mann zeige "eine klare Reue-Reaktion", sagte Georg Ungefuk, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, auf der Pressekonferenz.

Wohnhaft bei den Eltern

Der Verdächtige wohnt noch bei seinen Eltern. Zum genauen Wohnort machten die Ermittler aus Rücksicht auf sein Alter keine Angaben. Nach hr-Informationen stammt er aus Homberg (Ohm) im Vogelsbergkreis. Am Sonntag wurde die Wohnung des Beschuldigten durchsucht und der junge Mann vorläufig festgenommen.

Die Durchsuchung bei dem Tatverdächtigen stand nach hr-Informationen im Zusammenhang mit der Wohnungsdurchsuchung bei einem 19-Jährigen am Montag in . Beide kennen sich und sind über die Hacker-Szene vernetzt.

"Verärgerung über öffentliche Äußerungen" als Motiv

Der Beschuldigte soll massenhaft Daten von Spitzenpolitikern und Prominenten ins Netz gestellt haben. Über sein umfassendes Geständnis hatte zuvor berichtet. In Hessen waren etwa 60 Spitzenpolitiker von dem Leak betroffen, darunter Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Grünen-Chef Kai Klose, Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) und Linken-Fraktionschefin Janine Wissler.

Laut BKA gab der 20-Jährige als Grund an, "aus Verärgerung über öffentliche Äußerungen der betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens gehandelt zu haben". Er agierte demnach alleine, Hinweise auf eine Beteiligung Dritter erbrachten die Ermittlungen bislang nicht. Ein abschließendes Urteil sei derzeit aber nicht möglich.

Verdächtiger bereits vor zwei Jahren aufgefallen

Der Verdächtige ist den Behörden nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch bereits früher wegen einer ähnlichen Aktion bekannt geworden. Der Mann sei schon vor zwei Jahren wegen des Ausspähens von Daten und wegen Vorbereitungen dazu aufgefallen, sagte Münch am Dienstag in Berlin. Zugleich betonte er, der 20-Jährige sei nicht vorbestraft.

Unter anderem über den Account "GOd" veröffentlichte der Hacker sensible Daten via Twitter.
Unter anderem über den Account "GOd" veröffentlichte der Hacker sensible Daten via Twitter. Bild © Screenshot Twitter

Der Verdächtige habe keine Ausbildung in Informatik, sagte Oberstaatsanwalt Ungefuk. "Gleichwohl aber technische Kenntnisse, die es in der Szene häufig gibt." Der 20-Jährige sei extrem computeraffin und habe genügend Zeit. Das treffe auf viele junge Leute zu. Internetkriminalität könne daher häufig "aus dem Kinderzimmer" entstehen.

Computer und Datenträger sichergestellt

Die bei Durchsuchungen beschlagnahmten Beweismittel wie Computer und Datenträger würden nun umfassend ausgewertet. Ein Computer, den der Verdächtige beiseite geschafft habe, und ein Daten-Backup seien gefunden und sichergestellt worden. Im Zuge der Auswertung müsse nun geklärt werden, inwiefern die Aussagen des 20-Jährigen zu seiner Motivation der Wahrheit entsprechen.

Neben Journalisten, Schauspielern, Comedians, Youtubern und Musikern finden sich unter den Daten auch Informationen zu Politikern aller im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD. Die Daten sind zum Teil schon viele Jahre alt, reichen aber bis Ende Oktober 2018. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft hat zusammen mit dem BKA die Ermittlungen übernommen.

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Eine Hand mit Handschuh tippt auf einer Computertastatur

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Für das Ausspähen von sensiblen Daten sieht das Strafgesetzbuch (StGB) eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor (§ 202a). Weil der Beschuldigte mit 20 Jahren als Heranwachsender gilt, müsste im Falle eines Prozesses das Gericht entscheiden, ob schon das Strafrecht für Erwachsene angewendet wird oder nicht.

Sendung: readitnow, 08.01.2019, 19.30 Uhr