Mathilda mit ihren Eltern im Krankenhaus.
Mathilda mit ihren Eltern im Krankenhaus. Bild © privat

Die fünfjährige Mathilda aus dem Westerwald hat Krebs. Ihre Eltern hoffen nun auf eine neuartige Therapie im Ausland, die allerdings 200.000 Euro kostet. Dass sie das Geld durch Spenden zusammenbekommen würden, hätten sie nicht für möglich gehalten.

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Es beginnt 2017: Die drei Jahre alte Mathilda verändert sich, erinnern sich ihre Eltern, Rebecca (34) und Patrick Schmidt (43) aus Waldbrunn im Westerwald. "Sie hat nicht mehr gegessen, nur noch geschlafen und über Bauchschmerzen geklagt." Völlig untypisch für das wilde und lebenslustige Mädchen. "Wir haben unser Kind nicht mehr erkannt", sagt Vater Patrick.

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Mathilda-Kette

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Diese Solidarität ist überwältigend"

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Eine Odyssee beginnt, die Familie reist von Arzt zu Arzt. Erst der zwölfte Mediziner findet die Ursache für Mathildas Schmerzen: Er entdeckt in ihrem Bauch ein Neuroblastom im fortgeschrittenen Stadium. Das ist eine Krebsart, an der vor allem Kinder erkranken. Die Todesrate ist hoch. Es folgen Chemotherapien und Operationen. Im Dezember 2018 - kurz vor Weihnachten - gilt Mathilda als geheilt. Inzwischen ist sie fünf Jahre alt.

Aber nur wenige Wochen später kehrt der Krebs zurück. "Als wir das Ergebnis hatten, dass sie einen Rückfall hat - das war noch schlimmer als die Erstdiagnose", erzählt Vater Patrick. "Man weiß einfach, dass es jetzt um alles geht, weil die Chancen einfach noch schlechter sind."

Letzte Hoffnung: Therapie im Ausland für 200.000 Euro

Die Eltern recherchieren im Internet, stoßen dabei auf eine neuartige Antikörper-Therapie, die allerdings nur im Ausland durchgeführt wird. In Deutschland ist sie noch nicht zugelassen. Bei dieser Therapie kommen stärkere Antikörper zum Einsatz als in Deutschland. Diese sollen in Mathildas Körper die Krebszellen aufspüren und bekämpfen.

Der Haken: Die Erstbehandlung kostet rund 200.000 Euro. Mit den weiteren Behandlungen wie Impfungen könnte sogar die doppelte Summe fällig werden. "Selbst wenn wir unser Haus und all unser Hab und Gut verkaufen würden - es würde nicht reichen“, sagt Mutter Rebecca. "Aber wir sind es dem Kind schuldig, es wenigstens zu versuchen."

Mathildas Eltern Patrick und Rebecca Schmidt.
Mathildas Eltern Patrick und Rebecca Schmidt. Bild © hr

Was unmöglich scheint, machen Spender möglich

Und so entscheidet sich die Familie, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie holt sich Hilfe beim regionalen Verein "Dehrner Krebsnothilfe“ und stellt Ende März einen Flyer mit einem Foto der Tochter und einem Spendenaufruf ins Internet. Innerhalb weniger Tage geht der Hashtag #TeamMathilda viral und mobilisiert die gesamte Region.

Fußballvereine spenden Einnahmen aus Kreisligaspielen, Frisöre spenden für jeden Kinder-Haarschnitt, Supermärkte spenden Leergut-Bons; Metzgereien, Supermärkte, Kirmesburschenschaften, Pfarrgemeinden und unzählige Privatpersonen beteiligen sich.

Eltern sind überwältigt

Innerhalb weniger Tage kommen so rund 200.000 Euro an Spenden zusammen. Für Familie Schmidt eine unglaubliche Summe, mit der sie niemals gerechnet hätte. Mathildas erste Behandlung im Ausland kann nun geplant und finanziert werden. 

Mathildas Eltern können noch immer nicht richtig fassen, was sie in den vergangenen knapp zwei Wochen erlebt haben: Dass fremde Menschen ihnen innerhalb von nur wenigen Tagen so viel Geld gespendet haben für die Behandlung ihrer krebskranken Tochter. "Diese Solidarität dafür, dass unsere Tochter eine Therapie bekommen kann, dass da die Gemeinschaft auch über die regionalen Grenzen so zusammenrückt - das ist überwältigend."

Mathildas Eltern mit Ärztin Silke Kietz an der Uniklinik Gießen.
Patrick und Rebecca Schmidt mit Ärztin Silke Kietz (Mitte) an der Uniklinik Gießen. Bild © hr

Hoffen auf erfolgreiche Therapie

Die Therapie soll in etwa zwei Monaten in Barcelona in Spanien beginnen. Wie erfolgreich sie letztlich sein wird, ist indes unklar. Silke Kietz, Oberärztin in der Kinderonkologie an der Universitätsklinik Gießen, kann aber verstehen, dass Familie Schmidt es wenigstens versuchen will. Sie behandelt Mathilda und unterstützt die Familie bei deren Plänen.

"Die Chancen, dass Mathilda nach dem Rückfall die Krankheit überlebt, sind leider nicht so hoch. Ich habe der Familie aber versprochen, dass ich den Weg mit ihr gemeinsam gehe.“

Für Mutter Rebecca Schmidt gilt nun das Prinzip Hoffnung. "Durch die Solidarität und Anteilnahme bei dieser Spendenaktion haben wir so eine positive Bestärkung erfahren. Wir wissen, wir haben das Richtige getan und jetzt müssen wir den Weg weitergehen."

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