Die Bildkombination zeigt Bilder vom Rhein mit sehr niedrigem Wasserstand und die Müllablagerungen, die dadurch entstehen.
Bild © Ulrich Rückert, www.readitnow.info

Flaschen, Plastik, Autoreifen - das seit Monaten andauernde extreme Niedrigwasser des Rheins fördert Müll zu Tage, der sonst unbemerkt vorbeischwimmen würde. Viele Spaziergänger beschäftigt dieselbe Frage: Warum räumt das keiner weg. Und wer ist überhaupt zuständig?

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Das extreme Niedrigwasser hat überall am Rhein die überspülten Sandbänke trockengelegt - eine willkommene Gelegenheit für Spaziergänger zu Erkundungen im sonst unerreichbaren Gelände. Doch was wenige Kilometer vor dem Weltkulturerbe Mittelrheintal an den Rändern des trockengefallenen Flussbetts zum Vorschein kommt, hat wenig mit Rhein-Romantik, dafür viel mit illegaler Müllentsorgung zu tun.

Eine kurzfristige Bestandsaufnahme am Ufer des Wiesbadener Stadtteils Mainz-Kastel fördert Flaschen, Autoreifen, einen Schuh und immer wieder Plastik zutage in Form von Folien, Planen und Kanistern. Langsam verrottendes Material, das der Strom täglich mit sich führt und schließlich in der Nordsee ablädt.

Streit um Zuständigkeiten

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Wäre das Dauer-Niedrigwasser nicht eine Gelegenheit, dem Müll im Rhein zuleibe zu rücken? So einfach ist das nicht für die Stadt Wiesbaden. "Böschung ja, aber Flussbett nicht“, winkt der Sprecher der Entsorgungsbetriebe ab. Er verweist darauf, dass der Rhein eine Bundeswasserstraße ist. Für die sei das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Bingen zuständig. Ohnehin stehe der Stadt die technische Ausrüstung zur Müllentsorgung aus dem Fluss auch gar nicht zur Verfügung.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt auf der anderen Rheinseite wiederum sieht die Kommunen in der Verantwortung. Behördensprecher Florian Krekel räumt ein, dass derzeit "teilweise erschreckend viel" Müll zum Vorschein komme. Gleichzeitig betont er gegenüber dem hr: "Die Wasserstraßen-Verwaltung sieht sich nicht zuständig und wäre personell und materiell auch gar nicht in der Lage, das zu leisten." Da gebe es grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen. Zu Gesprächen mit den Kommunen sei man generell aber bereit.

Problembewusstsein schaffen

Im September hatte die eine Säuberungsaktion koordiniert, an der sich entlang des Flusslaufs auch in Hessen Bürger beteiligten. Die Aktion soll vor allem das Bewusstsein für die Thematik wecken, der einmalige Einsatz der Freiwilligen kann naturgemäß nur einen Bruchteil des anfallenden Mülls beseitigen.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, müsse man vor allem auf Müllvermeidung setzen, betonen auch die Initiatoren, die ihre Aktion im kommenden Jahr auf jeden Fall wiederholen wollen.

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Auch Blindgänger tauchen auf

Neben einfachem Müll und Schrott gibt der Strom aber immer mal wieder gefährliche Sprengkörper frei. Der Kampfmittelräumdienst beim Regierungspräsidium Darmstadt mahnt Spaziergänger deshalb generell zur Vorsicht. In den vergangenen Wochen waren wiederholt Blindgänger und weggeworfene Munition aus dem Zweiten Weltkrieg aufgetaucht.

So hatten Passanten Mitte August bei Ginsheim eine 15 Kilo schwere Brandbombe am Altrhein entdeckt und ans Ufer getragen. Nur einen Tag später holte der Kampfmittelräumdienst nach einem Hinweis der Wasserschutzpolizei Sprenggranaten am Rheinufer in Rüdesheim ab, die das Niedrigwasser freigelegt hatte.

Bombenfund bei Ginsheim
Bombenfund bei Ginsheim Bild © Kampfmittelräumdienst RP Darmstadt

BUND sieht weitere Gefahren

Der Bund für Umwelt und Naturschutz macht noch auf ein anderes Problem aufmerksam: Möglicherweise seien die jetzt sichtbar gewordenen Abfälle gar nicht das größte Problem. NABU-Sprecher Gerhard Eppler verweist auf Arzneimittelrückstände, Mikroplastik und Schwermetalle - und bei dem geringen Wasserstand könnte die Konzentration jetzt deutlich höher sein.