Elektroschocker - Hessen testet als drittes Bundesland Taser im Polizeieinsatz.
Hessen testet als drittes Bundesland Taser im Polizeieinsatz. Bild © picture-alliance/dpa

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Frankfurter Polizisten wegen des Verdachts der Köperverletzung im Amt mit Todesfolge. Die Beamten hatten bei einem Einsatz gegenüber einem aggressiven Diabetiker den Taser eingesetzt. Weniger Tage später starb der Mann.

Audiobeitrag
Ein Polizist testet einen Elektroschocker.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ermittlungen gegen zwei Polizisten nach Taser-Einsatz

Ende des Audiobeitrags

Der Einsatz Ende April im Frankfurter Ostend sollte ein Leben retten. Einem 49 Jahre alten Mann, zuckerkrank und stark übergewichtig, ging es schlecht. Seine Frau rief den Notarzt. Doch der Mann wehrte sich heftig gegen jede medizinische Behandlung, wie Staatsanwältin Nadja Niesen am Freitag dem hr erklärte.

Der Arzt habe den Mann in die Psychiatrie einweisen wollen. Daraufhin sei der Patient noch aggressiver geworden Schließlich alarmierte der Notarzt die Polizei. Laut Staatsanwaltschaft versuchten die Beamten, den Mann mit einem Elektroschock-Gerät, einem so genannten Taser, kampfunfähig zu machen. "Aufgrund der Gesamtumstände hielt man den Einsatz eines Tasers für angezeigt", so Niesen.

Mann stirbt in Uni-Klinik

Den weiteren Verlauf schildert die Behördensprecherin so: Der Diabetiker bekam einen Hochspannungs-Stromstoß aus dem Taser, brach zusammen und übergab sich. Der Mann wurde in die Uniklink gebracht. Dort starb er wenige Tage später - laut Staatsanwaltschaft an einer Lungenentzündung und Blutvergiftung.

Ob beim Tod des Mannes der Taser-Einsatz eine Rolle gespielt habe, müsse nun ermittelt werden, so Niesen weiter. Die Staatsanwaltschaft gehe dem Anfangsverdacht auf "Körperverletzung im Amt mit Todesfolge" nach. Näheres müssten die Ermittlungen zeigen, betonte die Sprecherin.

Expertin: Diabetiker gefährdet

Die Diabetologin Eva Henneken erklärte dem hr, die Besonderheit dieses Falls liege in der Vorerkrankung des 49-Jährigen. Der Mann könne nach dem Elektroschock sein Erbrochenes eingeatmet haben. Das könne bei Diabetikern leichter zu einer Lungenentzündung führen als bei Menschen ohne diese Vorerkrankung.

Zudem verursache der Taser eine kleine Verletzung, weil das Gerät dünne Drähte mit Widerhaken in den Körper der Zielperson schieße. Über diese Drähte wird der Stromstoß verabreicht. Diabetiker seien aber manchmal schon bei kleinen Wunden anfällig für eine Blutvergiftung, so Henneken.

Derzeit werden zahlreiche Polizei-Einheiten in Hessen mit Tasern ausgestattet. Laut Innenministerium hat sich die Waffe in einer Testphase in Frankfurt und Offenbach bewährt. Taser sollen Kontrahenten kampfunfähig machen, allerdings ohne ihnen gesundheitliche Schäden zuzufügen.

Sendung: hr-iNFO, 10.05.2019, 17 Uhr