Der 48-jährige Angeklagte (li.) sitzt zum Prozessbeginn neben seinem Verteidiger.
Der 48-jährige Angeklagte (li.) sitzt zum Prozessbeginn neben seinem Verteidiger. Bild © picture-alliance/dpa

Im Juni 2015 wird der behinderte Sohn des Unternehmers Würth im Vogelsberg entführt. Nun verhandeln Richter den Fall, bei dem ein nicht alltägliches Beweismittel eine wichtige Rolle spielt.

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Ein 48 Jahre alter Familienvater muss sich seit Dienstagmorgen wegen erpresserischen Menschenraubes vor dem Landgericht Gießen verantworten. An dem kurzen ersten Verhandlungstag wurde nur die Anklage verlesen. Dem Mann wird vorgeworfen, vor rund drei Jahren den Sohn des Unternehmers und Milliardärs Reinhold Würth gekidnappt zu haben.

"Im September 2014 fassten A. und die anderen Täter den Beschluss, ihre erheblichen finanziellen Probleme zu beheben", sagte Staatsanwalt Frank Späth zum Motiv des Angeklagten. Der 48-Jährige soll mit noch unbekannten Mittätern den behinderten Mann im Juni 2015 im osthessischen Schlitz (Vogelsberg) entführt und drei Millionen Euro Lösegeld gefordert haben.

Nach einer gescheiterten Geldübergabe wurde Markus Würth einen Tag später in einem Wald bei Würzburg unversehrt an einen Baum gekettet gefunden. Der Kidnapper hatte seinen Aufenthaltsort preisgegeben.

Stimmanalyse hat besondere Bedeutung

Im Mittelpunkt des Prozesses wird ein Stimmgutachten von Marburger Wissenschaftlern stehen, die einen Telefon-Mitschnitt des Entführers analysiert hatten. Unter anderem konnten sie so eingrenzen, aus welcher Region dieser mutmaßlich stammt. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Stimme dem 48-Jährigen gehört, der 1994 aus Serbien nach Deutschland kam.

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Chronologie im Fall Würth

Entführung, Lösegeld-Forderung, Kidnapper-Stimme – eine Chronologie.

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Ein Spezialkommando hatte den Mann im März dieses Jahres in einer Hochhauswohnung in Offenbach festgenommen. Ihm kamen die Ermittler erst 2018 durch eine Öffentlichkeitsfahndung in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" auf die Spur. Eine Zuschauerin erkannte in der Tonbandaufnahme des Erpresseranrufs bei der Familie Würth die Stimme ihres Handwerkers.

In einer ersten Vernehmung bestritt der Angeklagte die Vorwürfe. Ob er in dem Prozess aussagen wird, ist nach Angaben der Verteidigung noch offen. Seit März sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Im zweiten Versuch Kryptowährung gefordert

Nach Angaben der Ermittler hatte es im vergangenen Jahr eine neue Entführungsandrohung durch den Täter gegeben. In einer verschlüsselten E-Mail habe er die neue Entführung von Würth oder die Entführung anderer Angehöriger angedroht, wenn nicht umgerechnet etwa 70 Millionen Euro in Kryptowährung bezahlt würden. Es habe über etwa vier Monate eine Kommunikation mit dem Mann gegeben, ehe dieser den E-Mail-Kontakt abgebrochen habe. Lösegeld sei nicht gezahlt worden.

Das Landgericht Gießen setzte im Fall Würth zwölf Verhandlungstage an. Mit einem Urteil ist erst im Dezember zu rechnen. Dem Angeklagten drohen bei einer Verurteilung fünf bis 15 Jahre Haft.

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"Hofgut Sassen" in Schlitz - davor Einsatzkräfte der Polizei

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Stimme des mutmaßlichen Würth-Entführers

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