Skigebiet Willingen
Abfahrt mit Blick ins Grüne: Schneekanonen machen Erlebnisse wie hier in Willingen möglich. Bild © picture-alliance/dpa

Lag früher im Winter tatsächlich mehr Schnee? Wird es wirklich immer wärmer? Vieles davon trifft zu, wie eine Analyse von Klimadaten der vergangenen Jahrzehnte aus den hessischen Wintersportregionen zeigt. Aber Ausnahmen sind immer möglich.

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Wer kennt die Diskussionen nicht? Kaum fällt das Thermometer im Winter an mehreren Tagen unter null Grad, zweifelt mancher schon die Auswirkungen des Klimawandels an. Doch wie entwickelt sich das Klima in Hessen wirklich? Wie unterscheiden sich die heutigen Winter von denen vor 20 oder 50 Jahren? Besonders wichtig ist die Entwicklung für die hessischen Wintersportgebiete, in denen der Tourismus eine Rolle spielt.

Klimadaten werden in Hessen kontinuierlich seit dem späten 19. Jahrhundert gesammelt. Ein Blick auf die Temperaturentwicklung seit 1882 ergibt ein klares Bild: Es wird wärmer. Unten stehende Grafik zeigt die für Gesamt-Hessen berechneten Durchschnittstemperaturen, zum einen für das gesamte Jahr (grüne Kurve) und zum anderen nur für die drei Wintermonate (blau).

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Dabei wird deutlich: Die Werte unterscheiden sich von Jahr zu Jahr teils erheblich. Auf einen eher milden Winter kann im darauffolgenden Jahr ein ebenso strenger Winter folgen, Ausreißer sind jederzeit möglich. So hatte der Winter im Jahr 1962 eine durchschnittliche Temperatur von 0,7 Grad Celsius, im Winter darauf waren es minus 5,5.

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Schnee in Hessen

Unter der Frage "Schnee in Hessen - wie weiß sind unsere Winter?" hat der hr Klimadaten der vergangenen Jahrzehnte aus den hessischen Wintersportregionen ausgewertet. Die Ergebnisse der Datenanalyse und was das für die Skigebiete bedeutet, ist am Montag auch in den hr-Hörfunkwellen zu hören sowie um 21:45 Uhr in einem hessenreporter im hr-fernsehen zu sehen.

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Umso interessanter ist daher der Blick auf die gestrichelte Gerade, die jeweils durch beide Kurven führt. Diese Gerade zeigt den sogenannten Trend an, der sich auf Basis der tatsächlich gemessenen Werte berechnen lässt. In beiden Fällen zeigt die Gerade deutlich, dass es wärmer wird. Aufs ganze Jahr betrachtet ist es somit in Hessen im Trend seit 1882 um 1,4 Grad wärmer geworden. Im Winter, wo die Ausschläge generell größer sind, beträgt die Zunahme im Trend sogar 1,5 Grad.

"Die wärmsten Winter sind in den letzten 30 Jahren aufgetreten", erklärt Andreas Hoy vom Fachzentrum Klimawandel im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). "Die Frequenz zu milderen Wintern nimmt zu. Das heißt nicht, dass kalte Winter nicht mehr auftreten, aber kalte Winter nehmen ab, und wärmere Winter nehmen eben zu."

Gerade die hessischen Skigebiete stellt diese Entwicklung vor eine Herausforderung. Wie es dort aussieht, und wie viel Schnee tatsächlich noch liegt, zeigt unten stehende Grafik:

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(Hinweis zur Grafik: Mit einem Klick auf die blauen Punkte in der Karte werden die Werte für die jeweilige Messstation angezeigt. Wenn man mit der Maus über die blaue Kurve bzw. die blauen Balken fährt, erfährt man die Daten für die einzelnen Jahre.)

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Hessen ist geprägt von Mittelgebirgen (braune Flecken auf der Karte), mit 950 Metern ist die Wasserkuppe im Osten die höchste Erhebung im Land. Skisport ist auch hier möglich, doch Veränderungen im Klima machen sich noch schneller bemerkbar als in höheren Lagen. Wetterdaten vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Skigebieten gibt es neben der Wasserkuppe in der Rhön noch aus Willingen (Hochsauerland), dem Hoherodskopf (Vogelsberg), dem Kleinen Feldberg (Taunus) und aus Beerfelden im Odenwald. Aber auch der Kahle Asten, der wie Willingen im Hochsauerland liegt, kann für Hessen interessante Werte bieten.

Nicht überall wurden in den vergangenen Jahrzehnten kontinuerlich Daten erhoben, in Willingen zum Beispiel - dem mit Abstand wichtigsten Skigebiet in Hessen - hat der DWD die Messungen 2005 eingestellt. Dennoch lässt sich an allen sechs Messstellen eine ähnliche Tendenz wie im gesamtem Bundesland feststellen - im Trend wird es stetig wärmer.

Umgekehrtes Bild beim Schnee

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Mann im Schnee in Willingen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehr braun statt weiß - die Fakten zum hessischen Winter

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Das umgekehrte Bild ergibt sich beim Thema Schnee. Schneien tut es fast überall mal im Winter. Wo wieviel Schnee liegt und wie die Entwicklung verläuft, zeigt der untere Teil der Grafik. Die blauen Balken stellen die Anzahl von Schneetagen pro Winterhalbjahr (Nov.-Apr.) in den Skiregionen dar. Ausgewertet wurden die Schneetage mit einer Schneedecke von mindestens einem, zehn und 25 Zentimetern.

Auch hier zeigen sich von Winter zu Winter wieder deutliche Unterschiede, doch es gibt auch beim Schnee eine klare Tendenz: Die Schneetage werden weniger. Die schwarz gestrichelte Gerade zeigt jeweils den Trend - und der geht in allen Fällen nach unten.

Dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen so verschieden ausfallen, liegt vor allem an der Höhenlage des jeweiligen Skigebiets und der Messstation. Während es auf der Wasserkuppe über 900 Meter hinaus geht, fährt man im Odenwald auf maximal 550 Metern Ski. Gerade in Mittelgebirgen kann das den Unterschied ausmachen, denn pro 100 Höhenmetern nimmt die Temperatur um ungefähr 0,6 Grad ab. Ein Skigebiet wie Beerfelden, erklärt Klimaforscher Hoy, "hatte früher bei der gleichen Wetterlage Schnee, und heutzutage hat es das eben nicht mehr". Tage mit einer Schneedecke von mindestens 25 Zentimetern - die fürs Skifahren eigentlich notwendig sind - sind in einigen Gebieten daher schon länger eher die Ausnahme als die Regel.

Weniger Frost- und Eistage

Das Wetter ist starken Schwankungen ausgesetzt. Und Trends sind immer mit Unsicherheiten verbunden, sie können beispielsweise durch starke Ausreißer nach unten oder oben gezogen werden. Um wasserdichte Fakten zu bekommen, berechnet der DWD daher langjährige Mittelwerte, mit denen sich sichere Aussagen über die Entwicklung des Klimas machen lassen. Das heißt, es werden Mittelwerte über einen Zeitraum von 30 Jahren ermittelt und diese dann miteinander verglichen.

Die beiden unten stehenden Grafiken zeigen die durchschnittliche Anzahl von Frosttagen und Eistagen in zwei Zeiträumen. Frosttage sind Tage, an denen die Temperatur mindestens einmal unter null Grad gerutscht ist. Von Eistagen spricht man, wenn die Temperatur den ganzen Tag über durchgehend unter dem Gefrierpunkt lag. Da der Startpunkt der Messungen noch nicht lange genug her ist, überlappen sich die beiden Zeitspannen (1961-1990 und 1981-2010).

Die Ergebnisse sind aber dennoch eindeutig: Die Zahl der Frost- und Eistage ist überall zurückgegangen. Auf der Wasserkuppe zum Beispiel gibt es pro Jahr rund zehn Frosttage weniger (133,1 statt 142,9). Eistage sind deutlich seltener, aber auch hier ist die Entwicklung dieselbe.

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Diese Entwicklung bei den Frost- und Eisstagen ist für die Skigebiete fast noch gravierender als der Schneemangel. Letzteres lässt sich noch durch den großzügigen Einsatz von Schneekanonen ausgleichen. Doch damit diese arbeiten können, sind kalte Temperaturen über einen längeren Zeitraum nötig - und das ist in den Skigebieten immer seltener der Fall.

Noch geht das Konzept mit den Schneekanonen auf: In Hessens Wintersport-Mekka Willingen beispielsweise konnten die Skiliftbetreiber nach der Errichtung ihrer Beschneiungsanlage im Jahr 2007 die Tage mit Skibetrieb von zuvor durchschnittlich 28 auf 82 erhöhen. An der Wasserkuppe ist der Absatz von Tageskarten für den Liftbetrieb in den vergangenen 20 Jahren von rund 12.500 pro Wintersaison auf 50.000 gewachsen.

Dass diese Entwicklung endlich ist, wissen aber auch die Verantwortlichen in den Skigebieten. Wie sie damit umgehen, erfahren Sie unter anderem in unserer

Der Grund für die Erwärmung ist für Klimaforscher Hoy klar - er macht den hohen, von Menschen verursachten CO2-Ausstoß dafür verantwortlich. "Es macht einen Unterschied, ob wir uns jetzt bemühen, was für den Klimaschutz zu tun. Dieser Unterschied wird sich nicht in den nächsten zwei, drei Jahrzehnten zeigen. Er zeigt sich aber bis zum Ende des Jahrhunderts."

Hinweis: Alle Klima- und Wetterdaten stammen vom Deutschen Wetterdienst (DWD)

Sendung: hessenreporter, hr-fernsehen, 29.01.2018, 21.45 Uhr