Ein lauter Knall, eine riesige Wasserfontäne - und Experten des Kampfmittelräumdienstes hatten die Weltkriegsbombe im Frankfurter Main in die Luft gejagt. Eigentlich sollte nur der Zünder weg. Zu sehen und zu hören ist die Aktion in unserem Video.

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Eine Weltkriegsbombe im Main in Frankfurt ist am Sonntag unschädlich gemacht worden - jedoch anders als geplant. Mit einer Sprengladung hatte der Kampfmittelräumdienst eigentlich den Zünder unter Wasser absprengen wollen. Dabei detonierte jedoch die ganze Bombe. Das hatte der Kampfmittelräumdienst nach eigenen Angaben aber einkalkuliert.

Wucht überrascht selbst Kampfmittelräumdienst

Dieter Schwetzler im Gespräch mit dem hr
Dieter Schwetzler im Gespräch mit dem hr Bild © hr

Die zahlreichen Schaulustigen am Mainufer bekamen dadurch ein Spektakel geboten: Die Explosion verursachte einen lauten Knall und eine mehr als 30 Meter hohe Wasserfontäne. Noch mehrere Hundert Meter entfernt vibrierte der Boden. "Ich war schon überrascht", gab Dieter Schwetzler, Leiter des Kampfmittelräumdienstes, nach der Sprengung zu. Offenbar sei doch mehr Sprengstoff in der Bombe gewesen, als zunächst angenommen. Die ganze Sprengung und die sichtbaren Folgen seien auch für ihn und seine Mitarbeiter "ein Highlight" gewesen.

Danke ! Gemeinsam haben wir es wieder geschafft. Die ist erfolgreich entschärft bzw. gesprengt worden. Hinweis : Der Sperrbereich darf wieder betreten werden, die Straßensperrungen werden jetzt aufgehoben.

"Nichts" mehr übrig von der Bombe

Nach der Sprengung hatte Taucher Tobias Fochler vom Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz noch einmal überprüft, ob der US-Blindgänger tatsächlich unschädlich gemacht wurde.

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Mit den Händen habe er einen etwa fünf Meter breiten und 1,50 Meter tiefen Krater ertastet, sagte Fochler, Überreste der Bombe habe er nicht gefunden. "Die Sicht war gleich Null". Auf die Frage, was denn von der Bombe noch übrig sei, sagte auch Schwetzler schlicht: "Nichts."

Für die Sprengung war die 250-Kilo-Bombe zunächst von ihrem Fundort nahe der Alten Brücke in tieferes Wasser gezogen worden. Anschließend vertrieb der Kampfmittelräumdienst mit mehreren kleinen Sprengungen die Fische. Gegen 11.30 Uhr zündete er dann die große Sprengladung.

Kampfmittel-Taucher im Einsatz
Kampfmittel-Taucher im Einsatz Bild © picture-alliance/dpa

Noch am Morgen war der Plan des Kampfmittelräumdienstes ein ganz anderer gewesen. Eigentlich wollte man ganz unspektakulär den Zünder unter Wasser entfernen und den Sprengkörper somit unschädlich machen. "Aber der Zünder war dann doch zu verkrustet", sagte Schwetzler am Nachmittag. "Deswegen haben wir uns doch für eine Sprengung entschieden".

Evakuierung verlief reibungslos

Die Evakuierung der Sperrzone am Sonntagmorgen war ziemlich reibungslos verlaufen, wie ein Polizeisprecher dem hr bestätigte. Nur "hier und da" hätten Beamte noch Menschen aus den Häusern holen müssen. Die Bewohner in der roten Sperrzone waren aufgerufen, ihre Häuser zu räumen.

Bewohner in der gelb markierten Schutzzone durften sich nicht im Freien aufhalten und mussten Fenster und Türen geschlossen halten. Betroffen waren rund 600 Menschen. Sie durften gegen 12.45 Uhr in ihre Wohnungen zurückkehren.

Auch der Straßen- und Schifffahrtsverkehr sowie der öffentliche Nahverkehr waren zuvor teilweise gesperrt oder umgeleitet worden. Die Entschärfung hatte zudem weitreichende Auswirkungen auf das öffentliche Leben. So fielen am Sonntagmorgen beispielsweise die Gottesdienste im Kaiserdom der Stadt aus. Auch das Historische Museum sowie das Junge Museum blieben geschlossen.

350 Helfer im Einsatz

Insgesamt waren etwa 350 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe und DLRG im Einsatz, wie es von der Polizei hieß. Ihnen und dem Kampfmittelräumdienst dankte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Die US-amerikanische Weltkriegsbombe war am vergangenen Dienstag bei einer Tauchübung an der Alten Brücke entdeckt worden. Nach dem Fund der Bombe wurde der Schiffsverkehr am Dienstag kurzzeitig gesperrt, damit Taucher der Wasserschutzpolizei und des Kampfmittelräumdienstes die Bombe untersuchen konnten.

Auch fast 74 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg werden in Deutschland immer wieder Blindgänger entdeckt, oft bei Bauarbeiten. Im September 2017 war nach dem Fund einer tonnenschweren Bombe nahe dem Frankfurter Uni-Campus die bisher größte Evakuierung der Nachkriegszeit in Deutschland angeordnet worden. Mehr als 60 000 Menschen waren betroffen.