Joachim Gauck ist mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen ausgezeichnet worden. In seiner Ansprache mahnte der frühere Bundespräsident zu Gelassenheit im Umgang mit Populisten.

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Gerade in der momentanen Situation, in der Populisten und Demagogen die Freiheit bedrohten, seien Joachim Gaucks Worte aktueller denn je, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in seiner Laudatio. Der frühere Bundespräsident erhielt am Samstag in Wiesbaden die Wilhelm-Leuschner-Medaille - die höchste Auszeichnung, die das Land Hessen zu vergeben hat.

"Joachim Gauck ist ein würdiger Träger der Wilhelm-Leuschner-Medaille, weil er sich - ganz im Sinne Leuschners - stets beispielhaft und nachhaltig für Freiheit und Demokratie einsetzt", sagte Bouffier. Mit ihm ehre das Land Hessen einen honorigen Staatsmann, nimmermüden Verfechter der Demokratie und mutigen Kämpfer für eine lebendige Erinnerungskultur. Erst vor zwei Wochen war Gauck in der Frankfurter Paulskirche der Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung verliehen worden.

Gauck: "Nicht alle, die Populisten wählen, sind Demokratiefeinde"

Gauck mahnte auch zu Gelassenheit beim Umgang mit Populisten: Er sei definitiv ein Vertreter der liberalen Gesellschaft, "aber ich möchte nicht, dass wir Menschen, die mit unserer Demokratie fremdeln und deshalb Parteien wählen, die ich für nicht so gut halte, alle zu Demokratiefeinden erklären." Man müsse die Debatte mit diesen Menschen suchen, sei es beim Thema Migration oder beim europäischen Einigungsprozess.

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Joachim Gauck soll die Leuschner-Medaille erhalten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gauck bei unterhaltsamer Zeremonie ausgezeichnet

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Gauck streute in seiner unterhaltsamen Ansprache, in der er sich weitgehend nicht an sein Redemanuskript hielt, auch persönliche Anekdoten ein. So sagte er, er wolle nun endlich dem Land Hessen einen tiefen Dank abstatten: Dafür, dass es ihm seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, die aus Hanau stammt, geschenkt habe.

Proteste im vergangenen Jahr

Die Wilhelm-Leuschner-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die das Land Hessen vergeben kann. Sie geht seit 1965 an Persönlichkeiten, die sich nachhaltig für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben. Die Entscheidung über die Preisträger fällt allein der hessische Ministerpräsident. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der Philosoph Jürgen Habermas und der Erfinder des Computers, Konrad Zuse.

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Wilhelm Leuschner

Wilhelm Leuschner war Gewerkschafter und Sozialdemokrat und von 1928 bis 1933 hessischer Innenminister. Er war im Widerstand gegen die Nationalsozialisten und wurde 1944 im Konzentrationslager Plötzensee hingerichtet.

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Im vergangenen Jahr war neben der damaligen Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Salomon Korn, auch der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ausgezeichnet worden. Gewerkschaften und die Linke hatten gegen die Ehrung von Bouffiers Vorgänger protestiert. Koch stehe für Sozialabbau, Schwarze Kassen und ausländerfeindliche Wahlkämpfe, lautete der Vorwurf.

Bouffier verteidigte Koch damals: Zwar seien einzelne Entscheidungen seines Amtsvorgängers heftig umstritten gewesen. "Man muss aber immer das gesamte Lebenswerk betrachten."

Sendung: hr-fernsehen, readitnow, 01.12.2018, 19:30 Uhr