Bundeswehr-Soldaten und Demonstranten mit "Pace"-Flagge.
Auch in der Vergangenheit sorgte die Bundeswehr-Präsenz auf dem Hessentag für Protest, etwa hier 2013 in Kassel. Bild © picture-alliance/dpa

Auf dem Hessentag in Korbach will auch in diesem Jahr die Bundeswehr um Nachwuchs bei Schülern werben. Die Bildungsgewerkschaft GEW hält davon gar nichts. Kultusminister Lorz verteidigt die Bundeswehr und kritisiert die Haltung der GEW heftig.

Nachdem die Bildungsgewerkschaft GEW Schulen dazu aufgefordert hat, auf Klassenfahrten mit der Bundeswehr zum Hessentag in Korbach (Waldeck-Frankenberg) zu verzichten, hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) die Forderung scharf kritisiert.

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Hessentag

Der Hessentag wird dieses Jahr vom 25. Mai bis zum 3. Juni in Korbach gefeiert. . Nach Angaben eines Sprechers der Stadt wird die Bundeswehr zweit- oder drittgrößter Aussteller bei der Veranstaltung. Bisher seien noch keine Demos gegen die Streitkräfte angemeldet, wie in der Vergangenheit bei anderen Hessentagen.

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Die Bundeswehr sei eine demokratisch legitimierte Organisation, sagte der Minister auf Anfrage der dpa. Die Armee erfülle nicht nur bedeutende Sicherheits- und Verteidigungsaufgaben, sondern informiere die Öffentlichkeit auch über ihre Arbeit - "so auch seit mehr als 50 Jahren auf dem Hessentag".

"Kein Arbeitgeber wie jeder andere"

Die GEW hatte vergangene Woche in einem Brief die Schulleitungen gebeten, das Angebot der Bundeswehr für eine kostenlose Klassenfahrt zum Hessentag nicht anzunehmen. Die Bundeswehr biete auf dem Hessentag den Schulen unter anderem kostenlosen Transport zum Hessentag, einen Imbiss sowie Informationen über die Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten. Aber, so die GEW, die Bundeswehr sei "kein Arbeitgeber wie jeder andere".

Ihr stellvertretender Vorsitzender Tony Schwarz ist auch dagegen, dass Kinder ohne entsprechende Einordnung von Seiten der Schule mit der Ausrüstung der Armee in Kontakt kommen. "Ein Panzer ist Kriegsgerät. Darauf herumzuklettern ist etwas anderes als auf einem Feuerwehrauto", sagt er zu www.readitnow.info. In dem Schreiben heißt es außerdem, die Bundeswehr rekrutiere Minderjährige, obwohl die UN-Kinderrechtskonvention dies explizit verbiete.

CDU-Generalsekretär "fassungslos"

Diese Kritik der GEW entbehre jeglicher nachvollziehbarer Grundlage, sagte Lorz. Zudem sehe es die Landesregierung auch als ihre Aufgabe ab, über die Arbeit der Bundeswehr als staatliche Institution in Hessens Schulen zu informieren.

Lorz' Parteikollege, der CDU-Generalsekretär Manfred Pentz, reagierte mit "Unverständnis und Befremden" auf die GEW-Forderung. Die Haltung mache ihn "fassungslos". Er sagte: "Wer unsere Soldatinnen und Soldaten diffamiert, diffamiert auch ihren Einsatz für Demokratie, Sicherheit und Freiheit."

"Überwältigung der Schülerinnen und Schüler"

Schwarz von der GEW sagt dagegen: Die Bundeswehr sei ein "Akteur, der in internationale Kampfeinsätze verwickelt ist". Er wolle nicht die einzelnen Soldaten diskreditieren, aber sie könnten nunmal nicht objektiv über ihren Arbeitgeber informieren.

Er spricht von "einer Überwältigung, welcher sich die Schülerinnen und Schüler nicht entziehen können, und auf welche sich die Schulen nicht differenziert genug vorbereiten können."

Bundeswehr: Wettstreit um "die besten jungen Frauen und Männer"

Ein Sprecher der Bundeswehr in Köln widersprach: Die Rekrutierungspraxis stehe vollkommen im Einklang mit dem Abkommen zum Schutz der Kinder. Man stelle Bewerber frühestens mit 17 Jahren und Zustimmung der Eltern ein, sie stünden aber bis zur Volljährigkeit unter besonderem Schutz.

Außerdem sagte der Sprecher, die Streitkräfte stünden im Wettstreit mit der privaten Wirtschaft um "die besten jungen Frauen und Männer der jeweiligen Jahrgänge" auf dem Arbeitsmarkt. Zwar sei die Mehrheit der Schulabgänger noch keine 18 Jahre alt, aber "für sie darf es bei der Berufswahl keine Nachteile geben, wenn sie eine militärische Karriere anstreben". Beim Landeskommando Hessen war am Mittwochnachmittag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.



Ihre Kommentare Klassenfahrten mit der Bundeswehr zum Hessentag: Was halten Sie davon?

32 Kommentare

  • Die Zeiten, dass die Bundeswehr eine Verteidigungsarmee ist, sind vorbei. Sie ist eine Angriffsarmee und zusammen mit der NATO in völkerrechtswidrige Angriffskriege verwickelt. Es begann unter einer rot-grün Bundesregierung mit dem Angriff auf Serbien und - wie immer - mit vollkommen erlogenen Kriegsgründen.
    Wer denkt, die Bundeswehr sei dazu da, Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen, der sollte sich besser informieren. Die Bundeswehr verteidigt unsere wirtschaftlichen Interessen und unseren Zugang zu Ressourcen, damit wir weiter andere Länder ausbeuten können.
    Wer dem Wortaberglauben von "humanitären Einsätzen" oder "friedenssichernden Maßnahmen" Glauben schenkt, unterliegt der westlichen Propaganda. Denn dafür braucht man keine Bundeswehr. Ersteres wären Aufgaben des THW, für das zweite wären - dann UN-legitimiert und nicht völkerrechtswidrig - die UN-Blauhelme zuständig.
    Ich stimme der GEW zu. In dieser Situation hat die Bundeswehr an Schulen nichts verloren!

  • Ich bin der Meinung, das Klassenfahrten zur Bundeswehr oder Infoveranstaltungen wichtig sind.
    Unsere Streitkräfte verteidigen unsere Demokratie, unsere Verfassung und unsere westlichen Werte. Wenn es die Bundeswehr nicht mehr gibt, dann möchte ich nicht wissen was dann in Deutschland und Europa los ist. Oberstufenschüler oder Schüler ab einem gewissen alter können sehr wohl selbst entscheiden, welchen Beruf sie später ein mal ausüben wollen. Da sollte die Schule nichts "Zensieren". Ich werde nach meinem Abitur zur Bundeswehr gehen und würde es begrüßen, mehr Informationsveranstaltungen in Schulen abzuhalten. Dies würde auch Aufklärung über die Arbeit der Bundeswehr liefern und somit für ein besseres Verständnis für unsere Streitkräfte sorgen. Es macht mich traurig zu sehen, wie manchmal der Umgang mit der Bundeswehr und auch anderen Institutionen (Polizei, Feuerwehr) ist. Ich bin froh, dass es die BW gibt. Zitat: "Pazifisten sind Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier."

  • Die Bundeswehr ist einer der größten Arbetgeber in Deutschland. Sie hat mehr zu bieten als nur Soldaten, Waffen und Einsätze. Das Wissen nur leider nicht viele. Es werden immer nur die Soldaten gesehen. Aber es gibt auch soviele andere Bereiche bei der Bundeswehr. Zb. Krankenschwester, Medizinische Fachangestellte, Ärzte, Feuerwehrmänner und Frauen, Beamte im nichttechnischen und technischen Bereich, Verwaltungsfachangestellte, Elektriker, Schreiner, Maler, Mechaniker für alles mögliche (z. B. Fluggerät), Küchenhilfskräfte, Küchenmeister usw. Dies sind nur einige Beispiele was die Bundeswehr noch ausbildet bzw an Arbeitsplätzen hat. Die Bundewehr ist wichtig für Uns alle. Deshalb finde ich es gut das Sie auch an Schulen etc. Informiert und berät. Den nicht alle Arbeitsplätze sind in Uniform und mit Waffe, nur das Wissen die wenigsten.

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