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Sonntagsfrage zur Landtagswahl: Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag in Hessen Landtagswahl wäre? Bild © www.readitnow.info

Fünf Wochen vor der Landtagswahl steht die schwarz-grüne Koalition im neuen hr-Hessentrend ohne Mehrheit da. An den Grünen liegt das nicht, ganz im Gegenteil. Auf einmal ist sogar eine fast schon vergessene Bündnis-Option wieder in Reichweite.

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Die wichtigsten Hessentrend-Ergebnisse im Überblick:

  • Eine Fortsetzung von Schwarz-Grün nach der Landtagswahl am 28. Oktober ist derzeit fraglich.
  • Dabei sind die meisten Hessen mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden.
  • Aber die CDU sackt auf 28 Prozent ab. Die Grünen legen rekordverdächtig zu und sind vor AfD und hinter SPD drittstärkste Kraft.
  • Eine große Koalition oder ein Jamaika-Bündnis wären rechnerisch möglich, Rot-Rot-Grün fast.
  • Noch hat sich jeder siebte Wahlberechtigte nicht entschieden.
  • Bildungspolitik ist für die meisten Hessen wieder zum drängendsten Thema vor der Asylpolitik geworden.
  • Grünen-Minister Al-Wazir ist jetzt beliebtester Spitzenkandidat vor Ministerpräsident Bouffier (CDU).
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Die einen im rekordverdächtigen Stimmungshoch, die anderen im historischen Umfragetief: So unterschiedlich stehen die Partner des schwarz-grünen Bündnisses in Hessen fünf Wochen vor der Landtagswahl da - und seit Monaten ohne Umfrage-Mehrheit. In der Sonntagsfrage des neuen hr-Hessentrends kommt die Koalition wie schon im Juni-Hessentrend gemeinsam nur auf 45 Prozent. Dass es nicht für eine Fortsetzung der Regierung reichen würde, liegt an der CDU.

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Die Partei von Ministerpräsident Volker Bouffier sackt unter die 30-Prozent-Marke ab. Bei historisch schwachen 28 Prozent sieht sie die repräsentative Umfrage, die infratest dimap in den vergangenen Tagen für den Hessischen Rundfunk erstellt hat. Das wären drei Prozentpunkte weniger als bei der Erhebung im Frühsommer und zehn weniger als bei der Wahl vor fünf Jahren.

So oder so - es ist knapp

Dagegen sind die Grünen im Kommen. Mit nun 17 Prozent (+3) erobern sie von der AfD den Platz als drittstärkste politische Kraft in Hessen zurück. Es wäre ihr bislang bestes Landtagswahlergebnis. Die SPD mit 23 Prozent macht umfragemäßig wieder ein wenig Boden gut (+1). Gegenüber der Wahl vor fünf Jahren wäre es allerdings immer noch ein herber Verlust von mehr als sieben Prozentpunkten. Nach zuletzt spürbaren Zugewinnen lässt die AfD bei 14 Prozent (-1) leicht nach. Acht Prozent entfallen auf die Linke, sieben auf die FDP.

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Sonntagsfrage

"Welche Partei würden Sie wählen, wenn ..." - die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen, nicht das tatsächliche Wahlverhalten. Das Ergebnis gibt also einen Zwischenstand wieder. Viele Wähler legen sich erst kurzfristig vor einer Wahl fest.

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Bliebe es bei diesen Werten, bedeutete dies für den neuen Landtag auch bei Berücksichtigung der üblichen Fehlergrenze von Umfragen: Sechs Parteien wären drin und mehrere Konstellationen für eine Regierungsbildung denkbar. Sowohl eine "große Koalition" von CDU und SPD als auch ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP müssten aber mit vergleichsweise knappen Mehrheiten von 51 beziehungsweise 52 Prozent arbeiten.

Keine "Auschließeritis"

Aber auch ein anderes Modell ist wieder mehr als zuletzt in den Bereich des Möglichen gerückt. Mit dem spürbaren Zuwachs für die Grünen und dem leichten für SPD und Linke käme Rot-Rot-Grün rechnerisch auf derzeit 48 Prozent. Und anders als früher gibt es keine "Ausschließeritis": Weder Sozialdemokraten noch Grüne haben eine Zusammenarbeit mit der Linken für tabu erklärt. Mit der AfD will sich niemand einlassen.

Schmerzlich für die CDU, die im am Freitag veröffentlichten allerdings mit 32 Prozent besser abschneidet: Die Lagebeurteilung der Hessen ist zwar etwas eingetrübt. Gut die Hälfte der Menschen (53%) schauen zuversichtlich, 38 Prozent (+5) besorgt in die Zukunft. Aber zumindest die Sicht auf die Landesregierung bleibt davon fast unberührt.

Populär mit ungewisser Zukunft

Schwarz-Grün ist sogar vergleichsweise populär. Die Zustimmung sank gegenüber dem Rekordwert von 58 Prozent im Sommer nur unwesentlich um einen Prozentpunkt. Damit liegt die hessische Regierung im bundesweiten Vergleich im vorderen Mittelfeld. Mit 46 Prozent ist Schwarz-Grün für die meisten Hessen auch immer noch die Wunschkoalition. Die Begeisterung für Dreierbündnisse aus CDU, FDP und Grünen, SPD, Grünen und FDP oder Rot-Rot-Grün hält sich in engeren Grenzen. Am schlechtesten kommt mit 29 Prozent eine CDU-SPD-Koalition bei den Befragten weg.

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Koalitionen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kommentar: "Gegenwind aus Berlin"

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Und auch bei den Sympathiewerten für Politiker schneiden die Koalitionäre am vorteilhaftesten ab. Mit 58 Prozent Zustimmung (+8) hat der grüne Vize-Ministerpräsident Tarek Al-Wazir seinen bisherigen Hessentrend-Bestwert erreicht und seinen Kabinettschef vom Spitzenplatz verdrängt: Bouffier (CDU) kommt auf 50 Prozent (-4). Dritter ist SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel (43 Prozent) vor Janine Wissler von der Linken (19 Prozent), Rainer Rahn von der AfD (11 Prozent) und Rene Rock von der FDP (7 Prozent).

Allerdings wird Bouffier trotz seines Popularitätsvorsprungs gegenüber Schäfer-Gümbel bei der Frage nach dem nächsten Ministerpräsidenten nicht im gleichen Maße vorgezogen. 43 Prozent der Hessen würden bei einer Direktwahl für ihn stimmen (-2), 39 Prozent für seinen SPD-Kontrahenten (+3).

Themenwende in Hessen

Ein aktueller bundespolitischer Einfluss auf das Ergebnis ist denkbar. In die Zeit der Datenerhebung vergangene Woche fiel die Affäre samt Koalitionsstreit um Hans-Georg Maaßen, der als Verfassungsschutzchef abberufen wurde und zum Staatssekretär befördert werden sollte. Gefragt wurde danach im Hessentrend aber nicht. Im am Freitag veröffentlichten war die CDU bundesweit jedenfalls auch auf den historischen Tiefstwert von 28 Prozent gesackt.

Gewiss ist anhand der Zahlen: Bei der Dringlichkeit der Themen für die Menschen in Hessen hat sich eine spürbare Verschiebung ergeben. Im Sommer stand das Thema Flüchtlinge/Einwanderung unter dem Einfluss eines Koalitionsstreits in Berlin und eines Mordfalls in Wiesbaden kurzzeitig für die meisten Befragen auf Platz eins. Derzeit bewegt das Flüchtlingsthema noch 29 Prozent der Hessen am meisten (-8).

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Was Sie über Wahlumfragen wissen müssen

Was ist eine Fehlergrenze? Was bedeutet eigentlich repräsentativ? Und wie kann ich an einer Umfrage teilnehmen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Meinungsumfragen im Überblick finden Sie hier.

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Die Bildungspolitik liegt mit 40 Prozent (+5) wieder deutlich vorne. Fragen von Infrastruktur/Verkehr (22) und Wohnen/Miete und (21) rangieren deutlich dahinter, haben aber ebenfalls messbar für mehr Menschen an Bedeutung gewonnen. Gerade bei solchen Themen punktet die Hessen-CDU im Urteil der Befragten weniger, während sie auf dem Gebiet von Wirtschaft und Finanzen mit der ihr zugeschriebenen Kompetenz klar dominiert.

Die SPD mag auch daraus Hoffnung ziehen, bis zum 28. Oktober aufzuholen. Noch glaubt allerdings nur knapp jeder Dritte, dass sie eine bessere Problemlöserin für Hessen wäre als Schwarz-Grün. Gegenüber dem Frühsommer ist das aber immerhin ein Plus von neun Prozentpunkten. Was für alle Parteien von besonderer Bedeutung ist: Jeder siebte Hessentrend-Befragte hatte nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, wem er seine Stimme gibt.

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hr-Hessentrend

Im Auftrag des Hessischen Rundfunks hat das Institut infratest dimap in der Zeit vom 13. bis 19. September 1.000 wahlberechtigte Hessen nach repräsentativer Zufallsauswahl telefonisch befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten.

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