Mijat Gacinovic ist sichtlich enttäuscht
Mijat Gacinovic und die Eintracht gehen ungemütlichen Zeiten entgegen. Bild © picture-alliance/dpa

Klatsche im Supercup, Debakel im Pokal: Bei Eintracht Frankfurt herrscht eine Woche vor dem Bundesligastart Ratlosigkeit. Die schlechten Eindrücke der Vorbereitung bestätigen sich auch in Ulm, die Sorgen sind groß.

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Der Fehlstart ist perfekt. Drei Monate nach dem furiosen Pokalsieg von Berlin ist die gute Stimmung bei Eintracht Frankfurt endgültig dahin. Auf die 0:5-Klatsche im Supercup gegen die Bayern folgte am Samstag die Pokal-Blamage bei Regionalligist SSV Ulm (1:2). Eine Woche vor dem Start in die Bundesliga-Saison gleicht die Mannschaft von Trainer Adi Hütter einer einzigen Baustelle, das Selbstvertrauen und die spielerische Qualität vergangener Tage sind verschwunden. "Das Wort Desaster trifft es ganz gut", fasste Danny da Costa den Nachmittag aus Frankfurter Sicht zusammen.

Keine Zeit, aber viele Probleme

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Die als Wiedergutmachung und Standortbestimmung eingeplante Partie in Ulm offenbarte erneut, dass der personelle Umbruch deutliche Spuren im Team hinterlassen hat. Die Defensive wackelt, die Offensive ist zu harmlos. Kämpferisch war die Eintracht dem drei Klassen tiefer spielenden Gastgeber in allen Belangen unterlegen. "Uns hat heute das Herz gefehlt", analysierte Rechtsverteidiger da Costa, der sich als einziger Profi direkt nach Schlusspfiff den Fragen der Journalisten stellte. "Es ist sehr hart, was heute passiert ist. Es tut weh."

Coach Hütter, der gegen den Tabellenführer der Regionalliga Südwest etwas überraschend auf eine sehr defensive Ausrichtung und eine Dreierkette setzte, steht bereits nach seinem zweiten Pflichtspiel unter Druck. Von dem angekündigten Systemwechsel und erfrischendem Angriffsfußball sind bislang nicht einmal Ansätze zu erkennen. Von den Neuzugängen standen erneut nur Lucas Torró und Keeper Frederik Rönnow in der Startelf. "Ich bin hergekommen, um eine neue Mannschaft aufzubauen. Das geht nicht von heute auf morgen", warb Hütter um Geduld. Die Eintracht braucht noch Zeit. Problem dabei: Die gibt es nicht. Verbesserungsansätze hingegen reichlich.

Es stimmt weder vorne noch hinten

Die in der vergangenen Spielzeit noch so sattelfeste Abwehr ist weit von ihrer Normalform entfernt und derzeit ein Sicherheitsrisiko. Das Personal ist zwar noch das gleiche, die Leistung ist es aber nicht. David Abraham verschwendet zu viel Energie auf Nebenkriegsschauplätzen, Makoto Hasebe und Carlos Salcedo wirken nach ihrer langen WM-Saison noch nicht fit. Ein Gegentor nach einem Freistoß und eins nach einem Konter sind ein eindeutiges Zeichen. Die Chancenlosigkeit von Nationalspieler Salcedo im Sprintduell mit Gegenspieler Vitalij Lux war fast schon besorgniserregend.

Mental und physisch ist die Eintracht-Defensive noch nicht auf der Höhe. Hinzu kommen der vogelwilde Jetro Willems auf links und der zumindest nach vorne überzeugende da Costa auf rechts.

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Der Aderlass und die Abgänge von Marius Wolf, Omar Mascarell und Kevin-Prince Boateng machen sich dann weiter vorne bemerkbar. Torró, der als einziger Sechser begann und nach rund einer Viertelstunde von Jonathan de Guzmán in der Schaltzentrale unterstützt wurde, ist mit der Aufgabe des Ballverteilers und Taktgebers ebenso überfordert wie Mijat Gacinovic als einziger kreativer Spieler. Von der Doppelspitze Luka Jovic und Sébastien Haller, die in dieser Besetzung schon im vergangenen Jahr nicht wirklich gut harmonierte, strahlte lediglich der Serbe etwas Torgefahr aus. "Wir waren vorne zu unentschlossen", bemängelte Hütter. Die fehlende Kaltschnäuzigkeit als Hauptgrund für die Pleite zu sehen, wäre aber wohl zu leicht.  

Gacinovic spricht Klartext

"Wir müssen ehrlich miteinander umgehen, denn so geht es nicht weiter", forderte Gacinovic mit etwas Abstand zum Spiel in der Mixed Zone. "Wir müssen schnell zusehen, auf unseren alten Weg zu kommen." Ob das mit dem aktuellen Personal gelingt, ist allerdings mehr als fraglich. Es fehlt eine Führungskraft im Mittelfeld, von den Außenbahnen kommt in Abwesenheit von Nicolai Müller und Ante Rebic so gut wie nichts, und nach der schweren Verletzung von Timothy Chandler fehlt auch noch ein Rechtsverteidiger. "Ich bin überzeugt, dass sich in den nächsten Tagen bis zum Schließen des Transferfensters etwas tun wird", kündigte Hütter an.

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Die aktuelle Mannschaft, dieser Eindruck verfestigt sich, entspricht nicht den Vorstellungen des Trainers. Die Spieler passen nicht zur gewünschten Spielweise. Es muss sich etwas ändern.

Jetzt sind die Chefs gefragt

Und so geht die Eintracht schon vor dem ersten Bundesliga-Spiel in zwei ganz entscheidende Wochen. Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner sollten bis zum 31. August noch den einen oder anderen Hochkaräter präsentieren. In Freiburg (25. August) und im ersten Heimspiel gegen Bremen (1. September) sollten angesichts der dann folgenden Gegner Dortmund, Leipzig und Gladbach dringend Punkte her.

Wenn nicht, könnte es auch im Liga-Alltag schnell ungemütlich werden für die Eintracht und Coach Hütter. "Es ist klar, dass wir jetzt Gegenwind bekommen", sagte dieser verständnisvoll. "Wir müssen jetzt aus diesem Gegenwind Rückenwind machen." Es gibt leichtere Aufgaben