Tomislav Stipic
Tomislav Stipic übernimmt den Eintracht-Nachwuchs Bild © Imago

Er war schon Zweitliga-Trainer und übernimmt nun die U19 von Eintracht Frankfurt: Tomislav Stipic will attraktiven Fußball spielen lassen und Profis formen. Warum seine Familie dabei helfen kann, erklärt er im Interview.

Seine erste Arbeitswoche in Frankfurt hat Tomislav Stipic bereits hinter sich. Der neue Trainer der Eintracht-U19 soll die Talentschmiede nach weniger erfolgreichen Jahren aufpolieren und Kandidaten für die Bundesliga-Mannschaft formen. Mit Adi Hütter hat der 38-Jährige in seiner kurzen Amtszeit zwar noch nicht gesprochen, dafür aber mit dem hr-sport.

Im Interview spricht Stipic über seine Ziele in Frankfurt, den vermeintlichen Abstieg von der 2. Bundesliga in den Juniorenbereich und seine Vorstellung von erfolgreichem und schönem Fußball.

hr-sport: Herr Stipic, wie waren Ihre ersten Tage in Frankfurt?

Es fühlt sich sehr gut an, hier zu sein. Ich sehe viele neue Gesichter und lerne täglich neue Menschen kennen. Der erste Eindruck von den Spielern ist gut: Sie sind sehr neugierig und respektvoll im Umgang miteinander und im Training. Bei mir ist viel Vorfreude dabei. Bislang erlebe ich eine schöne Kennenlern-Phase.

Weitere Informationen

Bisherige Stationen von Tomislav Stipic

2007–2009 FC Hitzhofen-Oberzell (Spielertrainer)
2009–2010 SV Denkendorf (Spielertrainer)
2010–2013 FC Ingolstadt 04 U-17
2013–2014 FC Ingolstadt 04 II
2014–2015 FC Erzgebirge Aue
2015–2016 Stuttgarter Kickers
2017 Nantong Zhiyun FC

Ende der weiteren Informationen

hr-sport: Wie kam der Kontakt mit der Eintracht zustande? Hatten Sie Gespräche Niko Kovac und Fredi Bobic?

Der Kontakt entstand über die Jugendabteilung, vor allem über Marco Pezzaiuoli und Armin Kraaz.

hr-sport: Sie waren Trainer in der 2. Liga bei Erzgebirge Aue, dann in der 3. Liga bei den Stuttgarter Kickers. Warum sind Sie jetzt wieder in den Jugendbereich gegangen?

Ich übernehme die zweitwichtigste Mannschaft des Vereins und habe gespürt, dass es meine Erfüllung ist. Diese Aufgabe gibt mir das, was ich aktuell machen möchte.

Zitat
„Mit Adi Hütter gab es bisher noch keinen Kontakt“ Zitat von Tomislav Stipic
Zitat Ende

hr-sport: Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit Pezzaiuoli und Armin Kraaz vorstellen?

Wir bilden ein Team und sind täglich in engem Austausch. Durch die Nähe im Sportleistungszentrum am Riederwald laufen wir uns ohnehin mehrmals am Tag über den Weg. Das vereinfacht natürlich die enge Kommunikation und funktioniert hervorragend.

hr-sport: Haben Sie bereits mit dem neuen Trainer Adi Hütter sprechen können?

Tomislav Stipic auf dem Trainingsplatz
Tomislav Stipic (r.) und Marco Pezzaiuoli (l.) auf dem Trainingsplatz. Bild © Eintracht Frankfurt

Es gab bisher noch keinen Kontakt, aber dieser wird zu gegebener Zeit sicherlich stattfinden.

hr-sport: Wie sieht Ihr Konzept für die U19 aus? Gibt es ein vorgegebenes System, das sich an der Profiabteilung orientieren soll?

Wir sind momentan dabei, unser Konzept und unsere Identität aufzubauen. Marco Pezzaiuoli ist für diesen sportlichen Part der Hauptverantwortliche und erarbeitet diesen zwar unabhängig von, aber natürlich in Absprache mit den Profis. Eine Spielidee soll erkennbar sein und Wiedererkennungswert haben.

hr-sport: Wie könnte der Fußball der Eintracht in Zukunft aussehen?

Wir wollen Spieler für die Profis ausbilden. Dafür müssen alle Positionen eingebunden sein und alle Spieler am Spiel teilnehmen. Das Team soll im Ballbesitz mutig sein, aktiv gegen den Ball arbeiten und frühzeitig die Bälle gewinnen, um dann kurze Wege zum Tor zu haben. Die Stärken des Adlers spielen dabei eine Rolle, die auf dem Platz erkennbar sein sollen. Das bedeutet: Mut, Angriff und Freigeist. Wir werden unseren Talenten einen Rahmen mit unseren Vorgaben geben, sie sollen aber auch Freiraum bekommen, um dann selbstständig und kreativ ihre Stärken in unser System einzubringen.

hr-sport: Sie wollen also mehr Ballbesitzfußball spielen lassen. Das ist ein Unterschied zum Fußball unter Niko Kovac…

Wir sind verantwortlich für die U19, darauf müssen wir schauen und unser Ziel ist es, dominant durch Ballbesitz zu sein.

hr-sport: Ihr Ziel ist es, Spieler für die Profis auszubilden. Haben sie schon bestimmt Talente im Blick?

Ich gehe ohne Vorurteile an die Aufgabe heran. Ich habe die U19 und U17 in mehreren Rückrundenspielen beobachten können. Dabei hatte ich gute Möglichkeiten, mir ein unvoreingenommenes Bild über die Spieler machen zu können. Ich gehe mit einer großen Neugier und Vorfreude an die Sache heran. Ich will und kann nach erst wenigen Trainingseinheiten aber keinen hervorheben.

Zitat
„Die Stärken des Adlers spielen dabei eine Rolle, die auf dem Platz erkennbar sein sollen“ Zitat von Tomislav Stipic
Zitat Ende

hr-sport: Der Kontakt zur Eintracht besteht also schon länger?

Ja, wir haben schon vor ein paar Monaten erste Gespräche geführt. Ich konnte mich also intensiv auf diese Aufgabe vorbereiten.

hr-sport: Wie sehen Ihre sportlichen Ziele aus?

Unser primäres Ziel ist es, Spieler für die Profis auszubilden. Zunächst einmal unabhängig vom Resultat. Natürlich wollen wir Bundesligareife zeigen, aber in erster Linie geht es darum, Talente für die erste Mannschaft zu formen.

hr-sport: Noch ein Wort zu Ihnen: Es wird viel über verschiedene Trainertypen diskutiert. Sind Sie eher der Kumpel oder distanziert?

Da müssen Sie die Spieler fragen, wie ich wirke. Ich glaube aber, dass ich sehr kommunikativ bin, ein ehrlicher und konsequenter Trainer. Es zählt zu meinen Stärken, ein Team zu formen. Ich kann verschiedene Spielertypen und Charaktere an die Leistungsgrenze führen. Das traue ich mir zu.

hr-sport: Sie haben sieben Geschwister und vier Söhne. Hilft Ihnen das im Trainerjob?

Wenn man in einer so großen Familie aufwächst, dann ist es ein Vorteil, die große Gemeinschaft zu leben und auszustrahlen. Das kann mir bei der Eintracht nur helfen.

Das Gespräch führte Mark Weidenfeller