Sportvorstand Fredi Bobic (li.) und Trainer Adi Hütter haben im Kader noch einige Baustellen zu beackern.
Sportvorstand Fredi Bobic (li.) und Trainer Adi Hütter haben im Kader noch einige Baustellen zu beackern. Bild © Jan Hübner

Bei Eintracht Frankfurt überwiegen zwei Wochen vor Saisonstart die Probleme. Zwar passt die Stimmung, aber die Taktik funktioniert noch nicht und in der Offensive fehlen Spieler. Bei Ante Rebic könnte bald eine Entscheidung fallen.

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Ein Blick auf die nackten Zahlen verheißt bei Eintracht Frankfurt derzeit nichts Gutes: Von sieben Testspielen konnten die Hessen in der Vorbereitung bislang nur zwei gewinnen, in der vergangenen Woche setzte es gegen alles andere als überzeugende Gegner zwei schmerzhafte Niederlagen. Die taktischen Ideen von Neu-Trainer Adi Hütter greifen noch nicht, personell haben sich zwei Wochen vor dem ersten ernsthaften Pflichtspiel im DFB-Pokal (18. August in Ulm) mehr Frage- als Ausrufezeichen gebildet.

"Es ist immer besser, ein Trainingslager mit einem Sieg zu beenden", fasste Routinier Gelson Fernandes am Samstag die Frankfurter Gemütslage zusammen. "Wir müssen das jetzt analysieren."

Hütter bittet um Geduld

Im Vergleich zum teilweise sehr wilden 0:2 gegen Empoli gab es beim 1:2 gegen Ferrara zwar eine Steigerung. Von einer konstanten Leistung über 90 Minuten ist die Eintracht derzeit jedoch noch weit entfernt. Das auf Pressing und Offensive ausgelegte System von Hütter funktioniert nur in Ansätzen, echte Mechanismen sind noch nicht verinnerlicht. Zu große Abstände zwischen den Reihen, zu viele Fehler im Spielaufbau, fehlendes Timing beim frühen Angreifen: Stand jetzt ist die Frankfurter Mängelliste sehr lang.

"Das ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geht", versuchte Hütter deshalb zu beruhigen. "Die Spieler haben super und sehr intensiv gearbeitet." Dazu kommt: Die Stimmung im Team ist grundsätzlich gut, die Spieler haben die Vorstellungen des Coaches verstanden. Die Umsetzung lässt sich aber nicht von heute auf morgen perfektionieren. "Das hat in Salzburg eine Weile gedauert, das hat auch in Bern lange gedauert", so der Österreicher. Problem dabei: Die Zeit drängt.

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Adi Hütter auf dem Trainingsplatz

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Brauchen wieder Frische im Kopf"

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Es fehlen Außenstürmer

Bereits am Sonntag steht im eigenen Stadion das Supercup-Finale gegen den FC Bayern auf dem Programm, es folgen die erste Runde im DFB-Pokal und der Bundesliga-Auftakt in Freiburg im Wochenrhythmus. Eine Niederlage gegen den Deutschen Meister wäre verkraftbar, danach darf und muss es aber mehr sein. "Der Start wird hart", prophezeite der in Abwesenheit von Kevin-Prince Boateng zum Führungsspieler aufgestiegene Fernandes. "Wir müssen insgesamt mehr machen, das ist ganz klar."

Eine schnellstmöglich zu beackernde To-Do-Liste gibt es aber nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz. Ein weiteres Problem, das das Erlernen der neuen Spielweise verkompliziert, ist der Mangel an Außenstürmern. Da Nicolai Müller seit zwei Wochen verletzt ist, Ante Rebic noch bis Montag im Sommerurlaub weilt und es sonst nur Danny Blum mit Flügelflitzer-Qualitäten gibt, kann das von Hütter bevorzugte 4-4-2-System derzeit nur mit Aushilfskräften getestet werden. Mal durfte sich Marco Fabián auf rechts austoben, alternativ stellte Hütter auf Dreierkette um und beorderte Timothy Chandler und Jetro Willems weiter nach vorne. Optimal ist das alles nicht.

Alles hängt an Rebic

Umso wichtiger, dass in der Personalie Rebic bald endgültige Klarheit herrscht. Der kroatische WM-Finalist wird am Montag zurück in Frankfurt erwartet und soll am Mittwoch erstmals mit dem Team trainieren. "Dann wird es Gespräche geben", kündigte Hütter an. Bislang, das versichern Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner unisono, sind noch keine konkreten Angebote eingegangen. Da das Transferfenster in England bereits am Donnerstag schließt, sollten die nächsten Tage über Zukunft von Rebic und der Eintracht entscheiden.

Sollte der 24-Jährige entgegen aller Vermutungen bleiben, hat die Eintracht einen absoluten Unterschiedsspieler im Kader. Sollte Rebic wechseln, muss die Eintracht die Einnahmen in die Hand nehmen und auf Shoppingtour gehen. "Mit seiner Schnelligkeit und seiner Aggressivität tut er jeder Mannschaft gut", schwärmte Hütter. Große Hoffnungen auf einen Verbleib hat der Eintracht-Coach aber wohl nicht. "Es ist natürlich klar, dass er auch in mein System super reinpassen würde", sagte er. Würde. Konjunktiv.