Geschlossenes Stadiondach in Frankfurt
Das Frankfurter Stadiondach wird allenfalls bei Länderspielen geschlossen. Bild © Imago

Die Frankfurter Eintracht hat sich gegen RB Leipzig eine Regenschlacht unter teils irregulären Bedingungen geliefert. Doch das Cabrio-Stadiondach blieb auch diesmal offen. Im Winter herrscht sogar generelle Oben-Ohne-Pflicht.

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Es rühmt sich selbst als das "größte Cabrio der Welt": Das ehemalige Frankfurter Waldstadion ist seit seinem Umbau für die WM 2006 nicht nur mit neuem Namen, sondern auch mit einer besonders innovativen Dachkonstruktion ausgestattet. An Stahlseilen lässt sich die innere Membran verschließen und damit das Spielfeld vor Wind und Wetter schützen.

Doch genau eben jenes Wind und Wetter hätten bei der Bundesliga-Partie zwischen der Frankfurter Eintracht und RB Leipzig (1:1) am Sonntagabend beinahe zu einer Absage geführt. Gut eine Stunde vor Spielbeginn regnete es – der seit Tagen geltenden Vorhersage entsprechend – wie aus Kübeln. Das Cabrio blieb dennoch geöffnet.

Schiedsrichter darf entscheiden

"Mittags kam die Diskussion auf, aber da war der Wind schon zu stark", sagte der Geschäftsführer des Stadionbetreibers, Patrik Meyer, dem hr-sport. Da das Dach während des rund 20-minütigen Schließvorgangs wie ein Segel wirke, seien Windgeschwindigkeiten von maximal 60 km/h erlaubt. Der Verein hätte sich in Absprache mit den Verantwortlichen – in letzter Instanz ist das der Schiedsrichter - schon früher damit beschäftigen müssen, riet Meyer.

Dank fleißiger Helfer konnte das Spiel nach Dauerregen angepfiffen werden.
Dank fleißiger Helfer konnte das Spiel nach Dauerregen angepfiffen werden. Bild © Imago

Stattdessen versuchten Helfer wie anno 1974 bei der WM-Regenschlacht gegen Polen, mit Wasser-Schiebern das Gröbste zu beseitigen. Von regulären Bedingungen konnte aber auch während der Partie keine Rede sein. Vor allem an der Flanke entlang der Gegentribüne stand das Wasser fast knöcheltief. An geordnetes Passspiel war hier nicht zu denken.

Nur in der Anfangsphase genutzt

Über zehn Jahre ist es nun schon her, dass ein Eintracht-Spiel nicht unter freiem Himmel ausgetragen wurde. "Grob 2007 das letzte Mal", erinnerte sich Stadion-Chef Meyer. Während das Dach in der Anfangsphase nach dem Umbau drei, vier Mal auch bei kleineren Regenfällen genutzt wurde, blieb es danach offen. Dabei hatte man die Membran bei der WM 2006 selbst wegen Hitze und greller Lichtverhältnisse noch zugefahren. Unvergessen bleibt natürlich auch das Confed-Cup-Endspiel 2005, als der Regen durch eine undichte Dachstelle an der Eckfahne nach unten klatschte.

Eine erhöhte Pannenanfälligkeit sei allerdings nicht der Grund für den langjährigen Verzicht. Vielmehr hätten die Verbände entsprechende Anfragen stets abgeblockt. Wegen der Wettbewerbsgleichheit sollen Fußball-Spiele ohne Dach stattfinden, argumentiert die Deutsche Fußball Liga (DFL). Einzig wenn die Austragung akut gefährdet ist oder - wie im Fall von Schalke 04 - aus Gründen des Lärmschutzes können Ausnahmen beantragt werden. "Das wäre jetzt ein schöner Anlass gewesen, es zu versuchen", sagte Meyer nach dem Leipzig-Spiel rückblickend. Bislang habe es in all der Zeit aber keine einzige Partie gegeben, die nah am Abbruch gestanden habe.

Oben-Ohne-Pflicht im Winter

Generell beurteilt der Stadion-Manager das Frankfurter Cabrio indes als "absoluten Gewinn". Bei Konzerten und anderen Großveranstaltung sei das fahrbare Dach regelmäßig im Einsatz. "Im Sommer hat es uns gute Dienste erwiesen", so Meyer. Ohnehin sei das für insgesamt 20 Millionen Euro errichtete Dach nicht primär für den Fußball gebaut worden. Unter der Woche, verriet Meyer, werde es bei starkem Regen aber schon mal geschlossen, um den Rasen zu schonen.

Doch auch damit ist bald Schluss, denn das größte Cabrio der Welt hat ein eher antizyklisches Saisonkennzeichen: Während es in der Bundesliga-Sommerpause für Veranstaltungen nahezu permanent geschlossen ist, herrscht zwischen dem 1. November und dem 31. März absolute Oben-Ohne-Pflicht. Das schreibt die Bauaufsicht so vor. Ausschlaggebend dafür sind mögliche Schneelasten von für Frankfurter Verhältnisse völlig irrwitzigen 50 Kilo pro Quadratmeter. Aber man weiß ja nie, was kommt. Manchmal würde ein schlichter Blick auf den Wetterbericht helfen.