Heiko Grimm (rechts), der neue Trainer der MT Melsungen.
Heiko Grimm (rechts), der neue Trainer der MT Melsungen. Bild © Imago

Plötzlich Cheftrainer: Nach nur einer Woche Einarbeitung steht für Melsungens neuen Coach Heiko Grimm gleich das Hessenduell gegen Hüttenberg an. Im Interview spricht er über seinen Vorgänger Michael Roth und seine eigene Handball-Philosophie.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Grimm: "Laufe nicht jubelnd durch die Gegend"

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Neun Tage nach dem Rauswurf von Michael Roth steht für Heiko Grimm das erste Spiel als Bundesligatrainer der MT Melsungen an: Am Sonntag (15 Uhr) geht es im Hessenduell gegen den TV Hüttenberg. Zeit zur Vorbereitung blieb da nur wenig.

www.readitnow.info: Herr Grimm, wie haben Sie die vergangene Woche erlebt?

Heiko Grimm: Der Wechsel kam auch für mich überraschend. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die ersten Tage nicht turbulent und sportlich waren. Michael Roth – der bisherige Cheftrainer – ist weg. Da fehlt Manpower, es muss einiges umstrukturiert werden. Aber das legt sich jetzt so langsam und wir kommen wieder in den Alltag.

www.readitnow.info: Über den Aufstieg zum Cheftrainer dürften Sie sich vermutlich sehr gefreut haben. Mit Roth hat Sie allerdings ein Weggefährte verlassen. Wie schafft man es da, den Schalter umzulegen und einfach zu arbeiten?

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Handball live im hr-fernsehen

Das hr-fernsehen überträgt die Partie zwischen der MT Melsungen und dem TV Hüttenberg ab 14.55 Uhr live. Auf www.readitnow.info wird das Spiel zudem im Livestream zu sehen sein.

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Grimm: Uneingeschränkte Freude würde ich das nicht nennen. Selbstverständlich war es immer der Plan, dass ich irgendwann mal seinen Posten übernehme. Aber wie Sie richtig sagen: Er ist auch ein Freund und langjähriger Weggefährte. Es war ein zweischneidiges Schwert. Ich wollte mir deshalb auch nicht anmaßen, im Training gleich mit taktischen Umstellungen anzufangen. Das wäre respektlos gewesen und es hätte gleichzeitig bedeutet, dass vorher etwas nicht gut war. Das wollte ich nicht machen. Anfang der Woche haben wir den Neuanfang dann mit einer Teamsitzung eingeleitet.

www.readitnow.info: Haben Sie nach der Entlassung mit Michael Roth gesprochen?

Grimm: Ja. Anfangs hatten wir nur über WhatsApp Kontakt, weil mir gesagt wurde, er sei noch nicht so weit. Erst Anfang der Woche haben wir dann telefoniert. Da habe ich gemerkt, dass es ihm wieder gut geht. Das hat mich erleichtert. Wir hatten ein sehr gutes Telefonat und sind untereinander im Reinen. Aber ich laufe nicht jubelnd durch die Gegend, weil mir das alles ein Stück weit leid tut.

www.readitnow.info: Ihren Worten kann man entnehmen, dass Roth nach dem Rauswurf offenbar sehr enttäuscht war.

Grimm: Ich kann nicht sagen, welches Adjektiv man da verwenden sollte. Aber es ist nur selbstverständlich, schließlich ist es ein riesengroßer Einschnitt in seinem Leben. Er war knapp acht Jahre lang Trainer der MT Melsungen – und von einem auf den anderen Tag ist er es nicht mehr. Das ist eine riesige Veränderung, so etwas arbeitet in einem.

www.readitnow.info: Kommen wir zu Ihnen: Welche Ideen bringt der neue Cheftrainer Heiko Grimm nun mit zur Arbeit?

Grimm: Jeder Trainer hat seine Vorstellungen. Man muss aber auch sagen, dass bei der MT Melsungen lange, lange, lange nicht alles schlecht war. In letzter Zeit haben die Ergebnisse teilweise nicht gestimmt, aber das waren oft auch knappe Ergebnisse bei sehr starken Mannschaften. Insofern werden unsere Veränderungen wirklich minimal sein. Da, wo wir hinwollen – an die Spitze der Bundesliga – ist die Luft verdammt dünn. Deswegen muss man an kleinen Rädchen drehen.

www.readitnow.info: Haben Sie eine Philosophie, nach der Sie Handball spielen lassen wollen?

Grimm: Ich glaube, es gibt nicht das eine „Richtig“. Sonst würde ja jeder das Gleiche versuchen. Man muss schauen, welches Spielermaterial man hat – und welche Philosophie dazu am besten passt. Wir kommen über die Physis, und meiner Meinung nach ist das der Handball der Zukunft. Die Tendenz geht zu großen, physisch starken Spielern. Die haben wir hier bei der MT. Das heißt: Wir werden versuchen, über eine stabile Abwehr zu kommen, die eine super Körpersprache hat, die etwas ausstrahlt. Die Zuschauer und der Gegner sollen sagen: Wow, die MT Melsungen stellt da ein Bollwerk hin.

www.readitnow.info: Ihre Premiere als Bundesliga-Trainer wird gleich eine besondere Partie sein: Am Sonntag steht das Hessenduell gegen den TV Hüttenberg an. Das ist nicht einfach nur irgendein Spiel, oder?

Grimm: Für mich schon. Noch habe ich mich mit diesem Spiel nicht wahnsinnig viel befasst. Dafür hatte ich in den vergangenen Tagen zu viel zu organisieren. Das ist erledigt – und ab jetzt konzentriere ich mich nur noch auf den Sport und die Mannschaft.

Das Gespräch führte Patrick Stricker.