Mauerreste des Ortes Berich beim Waldeck im trockenen Edersee.
Im vergangen Jahr fehlte im Edersee so viel Wasser, dass das Edersee-Atlantis sichtbar wurde. Bild © picture-alliance/dpa

Die anhaltende Trockenheit lässt den Edersee gleich doppelt schrumpfen. Denn sein Wasser wird in rauhen Mengen abgezapft, um die Weser-Schiffahrt aufrechtzuerhalten. Der Regionalverband fühlt sich vom Land im Stich gelassen.

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23 Kubikmeter, so viel wie in 150 Badewannen passt, fließen momentan aus dem Edersee in Richtung Weser ab - pro Sekunde. Pro Tag sind das umgerechnet zwei Milliarden Liter. Denn der See ist ein wichtiger Wasserlieferant für den Fluss, dessen Pegel wegen der Trockenheit ohne Zufluss zu niedrig für die Schifffahrt wäre.

Doch für den Edersee bedeutet das: Sollte es in den nächsten Wochen nicht regnen, könnte er bald zur Hälfte leer sein. "Im Mai und Juni war noch alles gut, doch die Trockenheit momentan macht uns große Sorgen", sagt Winfried Geisler vom Regionalverband Eder-Diemel, dessen Mitglieder vor allem Wassersportanbieter und Gaststättenbetreiber sind.

2017 war es besonders schlimm

"Wir spüren das schon an den Touristenzahlen, auch noch die Nachwirkungen vom vergangenen Jahr", sagt Geisler. Im Sommer 2017 stand das Wasser so niedrig wie seit Jahren nicht mehr: Der See war nur noch zu 20 Prozent gefüllt, die Touristen blieben aus. Die Umsatzeinbußen für die Tourismusbetriebe schätzte der Regionalverband auf rund 30 Millionen Euro.

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Jetzt ist der Pegel für manche Angebote schon wieder zu niedrig. Auch einige der Segelsportveranstaltungen, die für August geplant waren, müsse man wohl absagen.

Reservetank oder Naherholungsgebiet?

Der Konflikt: Zum einen dient der Stausee als Reservetank für die Weser, zum anderen hat er als Naherholungsgebiet für die Region eine große ökologische und wirtschaftliche Bedeutung. Geisler fordert gegenüber www.readitnow.info, dass sich etwas Grundlegendes ändern müsse: "Immer soll der Edersee ausgleichen, was die Trockenheit an Problemen mit sich bringt. Das nehmen wir nicht einfach so hin." Vom Land Hessen fordert er mehr Unterstützung für die Region.

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Mit der Petition "Rettet den Edersee" wollte sein Mitstreiter Thomas Hennig erreichen, dass der Tourismus bei Entscheidungen zum Wasserstand mehr Beachtung findet. Tausende Unterschriften kamen zusammen. Durch die große Aufmerksamkeit hat das Problem auch die Politik erreicht. Ministerpräsidient Volker Bouffier (CDU) warb noch Anfang des Jahres in einem Brief ans Bundesverkehrsministerium für die Belange der Tourismus-Anbieter am See.

"Hoffen auf Änderungen"

Dafür müsste das entsprechende Gesetz, die Talsperrenverordung, geändert werden. Doch auf Anfrage von www.readitnow.info rudert die Staatskanzlei in diesem Punkt zurück. Zwar liege dem Ministerpräsidenten viel an der touristischen Entwicklung des Edersees und Nordhessens. "Nach mehreren Gesprächen hat sich allerdings herausgestellt, dass der Weg über eine Veränderung der Talsperrenverordnung mit einem hohen rechtlichen Risiko behaftet ist und wohl sehr langwierig ist."

Die Mindestabgabe aus dem Edersee, die aktuell bei sechs Kubikmeter pro Sekunde liegt, solle auf vier Kubikmeter pro Sekunde gesenkt werden - in wirklich trockenen Zeiten fällt dieser Mindestwert aber nicht ins Gewicht. Bei dem angestrebten Pegel der Weser bei Hann. Münden soll sich nichts ändern. Er solle bei 1,20 Meter bleiben, um unter anderem den Fährbetrieb zu sichern.

Winfried Geisler vom Regionalverband Eder-Diemel zeigte sich überrascht über diesen Kurs und hofft noch auf Bewegung in der Politik: "Damit sind wir nicht einverstanden. Es muss sich etwas tun."

Prognose: Es bleibt trocken

Entschärft werden könnte der Konflikt durch mehr Niederschlag - doch der ist in den kommenden vier Wochen nicht in Sicht, sagt Timo Freitag. Der Bauingenieur ist in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Verkehrsministeriums für das Wassermanagement des Edersees zuständig und legt jeden Tag mit Hilfe eines Modells fest, wie viel Wasser der See abgeben muss. "Einzelne Schauer oder Gewitter können natürlich immer kommen, aber das ist nichts, was nachhaltig wirkt", sagt Freitag.

"Es ist schon relativ viel Wasser, das wir momentan abgeben", sagt Freitag. "Wir haben Glück, dass der Edersee am Anfang des Jahres sehr voll war." Aktuell ist der Edersee noch zu knapp 70 Prozent gefüllt. Sinkt der Wert auf 20 Prozent, wird die Abgabe stark gedrosselt.

So fatal wie im vergangenen Jahr, als das Edersee-Atlantis schon im Juli auftauchte, wird die Situation dieses Jahr wohl nicht werden. Doch mit jedem Sommer, in dem der See leergepumpt wird, werden auf Dauer mehr Touristen und Wassersportler ausbleiben - das jedenfalls befürchtet der Regionalverband.

Weitere Informationen

"Edersee-Atlantis"

Der Edersee-Staudamm wurde vor mehr als 100 Jahren gebaut. Die Dörfer Asel, Alt-Bringhausen und Berich wurden geräumt und überflutet. Sinkt der Wasserspiegel stark, werden die Ruinen der Dörfer wieder sichtbar. Es gibt auch Touren durch das "Edersee-Atlantis“.

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