Abschlusskundgebung vor der Stadthalle.
Vor der Marburger Stadthalle fand die Abschlusskundgebung statt. Bild © hr

Sie fordern mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen: Rund 500 Beschäftigte der Uniklinik Gießen und Marburg sind am Freitag auf die Straße gegangen - zum Abschluss eines dreitägigen Warnstreiks. Am Vortag hatte Verdi mit der Klinikleitung verhandelt.

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Demo Marburg UKGM

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Auf den Schildern steht: "Physiotherapie / Ergotherapie - Unsere Berufe werden kaputtgespart"" oder "Faire Löhne für wichtige Arbeit!" Mehr als 500 Menschen ziehen an diesem Freitagmorgen durch die nasskalte Marburger Bahnhofstraße. Sie haben sich dem Demo-Aufruf der Gewerkschaft Verdi angeschlossen, zum Abschluss des dreitägigen Warnstreiks der nicht-ärztlichen Beschäftigten am Uniklinikum Gießen und Marburg (UKGM). Ihr Schlachtruf: "Wir rufen es in Richtung Rhön: TVöD ist richtig schön!"

Mit "Rhön" ist die Rhön-Klinikum AG gemeint, die 2006 dem Land 95 Prozent der Uniklinik abgekauft hat. Seitdem ist das UKGM mit beiden Standorten die einzige privatisierte Universitätsklinik Deutschlands - weshalb der TVöD, der Tarifvertrag öffentlicher Dienst, hier nicht greift. Entsprechend berichten Beschäftigte und die Gewerkschaft, dass die Gehälter in Gießen und Marburg zum Teil deutlich niedriger seien als an öffentlichen Krankenhäusern.

Verhandlungen laufen

Daher der Warnstreik, dem sich am Freitag nach einer Schätzung der Gewerkschaft rund 700 Menschen angeschlossen haben. An den Tagen zuvor waren es weniger, aber da waren auch nur kleinere Gruppen aufgerufen und nicht alle 7.000 Betroffenen. Verdi-Fachsekretär Fabian Dzewas-Rehm ist zufrieden - immerhin arbeite man im Drei-Schicht-Betrieb, und einige Beschäftigte müssten ja auch den Notdienst aufrecht erhalten.

Eine Demonstrantin mit Schild: "Faire Löhne für wichtige Arbeit!", eine Demonstrantin mit Verdi-Jacke.
Demonstrantinnen vor dem Marburger Hauptbahnhof, wo die Demo startete. Bild © hr

Die Gewerkschaft wollte Druck aufbauen auf die Klinikleitung, mit der sie am Donnerstag über das Gehalt verhandelte. Verdi fordert 6 Prozent mehr, aber mindestens 200 Euro beziehungsweise 100 Euro für Auszubildende. Ein Ergebnis gab es nicht. Die Klinikleitung habe aber ein Angebot gemacht, das, so Verdi-Verhandlungsführer Stefan Röhrhoff, "nah an dem ist, was an anderen Universitätskliniken gezahlt wird", wenn auch mit kürzerer Laufzeit.

"Der Arbeitgeber sieht, dass was passieren muss", sagt Röhrhoff. UKGM-Sprecher Frank Steibli sagt nur: Die Verhandlungen seien bislang konstruktiv verlaufen, Anfang April sei der nächste Termin angesetzt.

"Einfach ins kalte Wasser geworfen"

Aber es geht nicht nur um das aktuelle Entgelt. Schon seit einem Jahr verhandeln Arbeitnehmer und Klinik auch über einen neuen Eingruppierungstarifvertrag, also die generelle Zuordnung der Berufe zu bestimmten Gehaltsgruppen. Dafür streikt Annett Freitag. Sie ist Physiotherapeutin in Gießen und sagt: "Auf offene Stellen bewirbt sich keiner, wir bekommen einfach kein Personal mehr." Eine Gleichstellung mit dem TVöD könne das UKGM attraktiver machen.

Carolyna Nau und Nele Schamari machen eine Ausbildung zur Kinderkrankenpflegerin in Marburg, seit Oktober 2017. "Das ist ein schöner Beruf, man hat mit Kindern zu tun, und die medizinische Komponente ist auch interessant", sagen sie.

Demonstranten in Marburg, im Hintergrund die Elisabethkirche
Der Demonstrationszug kam auch an der Marburger Elisabethkirche vorbei. Bild © hr

Aber die Bedingungen sollten besser sein. Damit meinen sie nicht nur das Gehalt, auch wenn sie sagen: "Andere Azubis verdienen mehr." Vor allem gebe es zu wenige Lehrer an der Schule und zu wenige Praxisanleiter. "Wir werden oft einfach ins kalte Wasser geschmissen, weil niemand Zeit für uns hat. Als wären wir eine volle Kraft, nicht eine zusätzliche."

Privatisierung "zulasten der Beschäftigten und Patienten"

Am Rand der Demo steht Jan Schalauske. Der Linken-Landeschef und Marburger Landtagsabgeordnete sagt: "Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass die Privatisierung ein Fehler war, dann ist es die Tatsache, dass die Angestellten in kommunalen Kliniken deutlich mehr verdienen als am UKGM." Die Privatisierung gehe nunmal zulasten der Beschäftigten und Patienten. Aber, auch das räumt er ein: Derzeit gibt es kaum eine nennenswerte Diskussion darüber, die Uniklinik zurück in die öffentliche Hand zu holen.

UKGM-Sprecher Steibli sagt, das Uniklinikum sei nach wie vor attraktiv für Pflegekräfte. "Wir haben die am schwersten erkrankten Patienten. Wer in dem Bereich arbeiten will, hat keine Alternative." Und andere Häuser kämpften genauso um Personal. Denn es sei für alle Kliniken schwieriger geworden, Mitarbeiter zu gewinnen, das sei nunmal ein Ergebnis der demografischen Entwicklung. Man arbeite daran, das zu lösen. "Die Vergütung ist eine Komponente, und deswegen verhandeln wir auch."

Sendung: hr-iNFO, 08.03.2019, 14 Uhr