Ryanair
Am Mittwoch am Frankfurter Flughafen: Piloten und Flugbegleiter bei einer Streikaktion Bild © Imago

Kollegen, die aus Angst vor Nachteilen bei 40 Grad Fieber arbeiten, ein Lohn, der kaum zum Leben reicht - eine Ryanair-Flugbegleiterin erzählt aus ihrem Arbeitsalltag.

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Erstmals haben am Mittwoch Flugbegleiter und Piloten bei dem irischen Billigflieger Ryanair gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt. Weil sie berufliche Nachteile befürchteten, trugen die Streikenden bei einer Aktion am Frankfurter Flughafen Masken mit dem Konterfei von Airline-Chef O'Leary. Eine Flugbegleiterin schilderte dem hr, worum es ihr in dem Streik geht. Auch sie möchte anonym bleiben.

www.readitnow.info: Sie arbeiten als Flugbegleiterin in Deutschland für Ryanair. Wie sind da Ihre Arbeitsbedingungen?

Flugbegleiterin: Ich wollte schon als Kind für eine Fluggesellschaft arbeiten und Flugbegleiterin werden. Ich bin stolz auf meinen Job. Ich wäre auch gerne stolz auf meinen Arbeitgeber. Doch momentan gibt es unglücklicherweise viele Dinge, die sich ändern müssen.

Wenn man hier in Deutschland für Ryanair arbeitet, dann heißt das, vor allem eins: kämpfen. Ich kann kaum die Miete bezahlen und weiß oft nicht, wie ich bis zum Monatsende durchkommen soll. Deshalb streiken wir.

www.readitnow.info: Was kritisieren Sie noch?

Flugbegleiterin: Wenn man mehr als drei- oder viermal im Jahr krank ist, drohen Disziplinarmaßnahmen. Die meisten trauen sich nicht, sich krank zu melden. Ich habe schon oft erlebt, dass Kollegen mit 40 Grad Fieber zur Arbeit kamen, aus Angst vor Sanktionen.

Wenn wir während des Fluges etwas zu essen oder zu trinken brauchen, müssen wir es kaufen - zum selben Preis wie die Kunden. Schwierig ist auch, dass unser Geld auf ein irisches Konto gezahlt wird. Wenn man wie ich in Deutschland lebt, bedeutet das, dass man hier keinen Kredit aufnehmen kann. Also kann ich mir kein Auto oder Haus kaufen.

www.readitnow.info: Sie baten darum, bei diesem Gespräch anonym zu blieben. Wovor haben Sie Angst?

Flugbegleiterin: Man weiß einfach nicht, was man tun darf und was nicht. Deswegen möchte ich lieber anonym bleiben. Es wird der Moment kommen, an dem man Gesicht zeigen kann. Aber vielleicht müssen wir noch etwas warten, bis es soweit ist.

www.readitnow.info: Was könnte passieren, wenn Ihr Arbeitgeber Sie erkennt?

Flugbegleiterin: Ryanair könnte versuchen, etwas zu finden, um mich zu kompromittieren und zu bedrohen.

Weitere Informationen

So viel verdienen Flugbegleiter bei Ryanair

Der größte Teil der Flugbegleiter bei Ryanair besteht nach Angaben von Verdi aus Leiharbeitnehmern. Diese können je nach Flugstundenzahl laut Gewerkschaft maximal 1.500 Euro brutto im Monat verdienen – es sind aber auch Einkommen unter 1.000 Euro möglich. Für angestellte Flugbegleiter gibt es ein Basisgehalt zwischen 800 und 1.200 Euro, maximal sind je nach Flugstundenzahl 1.800 Euro brutto möglich. Am meisten Geld kann der Leiter der Kabinencrew mit maximal rund 2.700 brutto verdienen. Zum Vergleich: Bei der britischen Fluggesellschaft Easy Jet verdienen Flugbegleiter in den gleichen Funktionen rund 1.000 Euro mehr.

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Bei dem Ausstand am Mittwoch ging es um die Gehälter und Arbeitsbedingungen der Ryanair-Mitarbeiter. Auch die Piloten verdienen bei Ryanair deutlich weniger als Piloten anderer Airlines.

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Das Gespräch führte Philipp Wellhöfer.