Engpässe Tankstelle
Leer: Gesperrte Zapfsäulen in Höhr-Genzhausen (Rheinland-Pfalz). Auch in Hessen müssen vereinzelt Zapfhähne geschlossen werden. Bild © picture-alliance/dpa

Benzin ist gerade aus: Immer wieder müssen Tankstellen einzelne Zapfhähne kurzzeitig außer Betrieb nehmen. Es fehlt an Nachschub, weil die Tankschiffe auf dem Rhein derzeit nicht so beladen werden können wie üblich.

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Ein Zapfhahn an einer Tankstelle, aus dem ein einzelner Tropfen läuft.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wird in Hessen das Benzin knapp?

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Außer Betrieb: Autofahrer müssen derzeit nicht nur mit horrenden Benzin- und Dieselpreisen rechnen, sondern auch mit leeren Zapfsäulen. Grund dafür ist die schlechte Versorgungslage durch das Niedrigwasser im Rhein: Es gibt Kraftstoff, aber nicht an der richtigen Stelle. Energieunternehmen müssen für den Transport auf Schienen und Straßen ausweichen. Das kostet Zeit, führt zu Engpässen und treibt die Preise noch weiter in die Höhe.

Angespannte Lage

"Super E10 ist leider leer", stand diese Woche auf dem Zapfhahn einer Tankstelle in Staufenberg (Gießen), . Auch der ADAC sagte dem hr, es gebe derzeit Einzelfälle von leeren Zapfsäulen. Dass der Zapfhahn kurzfristig außer Betrieb ist, weil gerade kein Diesel oder Super im Tank ist, kann in vielen Regionen passieren: Je mehr eine Region von der Schifffahrt auf dem Rhein abhängig ist, desto schwieriger wird es.

"Die Lage ist angespannt, aber noch beherrschbar", sagte am Donnerstag Geschäftsführer Jürgen Lobig vom Energieunternehmen Walther. Die mittelständische Firma betreibt bft-Tankstellen, eine davon in Hanau. Um die Tankstelle im Rhein-Main-Gebiet zu versorgen, müssten die zwei Schiffe des Unternehmens über den Rhein fahren können und Zugang zur Mainmündung haben, sagte Lobig.

Die Tankschiffe fahren die verschiedenen Häfen der Regionen an, etwa über den Main in den Frankfurter Osthafen, nach Flörsheim (Main-Taunus) oder Raunheim (Groß-Gerau). Dort kommt der Kraftstoff in Tanklager und wird dann per Lkw weitertransportiert zu Tankstellen. Deswegen prüft Lobig regelmäßig online den Pegelstand des Rheins in Kaub in Rheinland-Pfalz, nur wenige Kilometer von der hessischen Landesgrenze.

Logistischer Mehraufwand - aber kein Grund zur Panik

Am Donnerstagmittag lag der Pegel bei 44 Zentimeter, die Schiffe konnten dort gerade so fahren, allerdings nur, wenn sie leer sind, berichtete Lobig. Noch sind die zwei Schiffe der Firma Walther an anderen Stellen auf dem Rhein unterwegs, aber nur mit einem Viertel der üblichen Ladung: 500 statt 2.000 Tonnen.

Die Folge: Der fehlende Kraftstoff muss über Schienen und Straßen transportiert werden, der logistische Aufwand für die Firmen wird größer. So kann es passieren, dass eine Zapfsäule an einer Tankstelle mal keinen Diesel- oder Super-Kraftstoff mehr hat, sagte Lobig - wenn, dann sei das allerdings nur für kurze Zeit der Fall, bis ein Lkw Nachschub liefere.

Beim Energieunternehmen Roth aus Gießen wird der aktuellen Lage noch ruhig begegnet. 30 Tankstellen betreibt die Firma nach eigenen Angaben, die meisten davon in Mittelhessen: Bisher sei es nicht zu Leerständen gekommen, sagte Vertriebsleiter Peter Jantsch dem hr. Zur Versorgung der Tankläger und Kunden würden derzeit alle Transportmöglichkeiten per Schiff, Schiene und Tankwagen genutzt. Regen und damit bessere Wasserstände würde die Versorgunsglage allerdings entspannen, sagte Jantsch: "Aktuell stellen wir uns für die nächsten Tage auf eine weiterhin angespannte Lage ein. Dennoch besteht für den Endverbraucher kein Grund zur Panik."

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Sprit-Preise steigen

Am Donnerstag lag der Diesel-Preis in Frankfurt bei rund 1,50 Euro pro Liter, damit stieg der Preis seit Anfang des Jahres laut dem Onlineportal stetig nach oben. Im Januar lag der Diesel-Preis noch bei unter 1,20 Euro. Bei Super E10 lief die Kurve ähnlich steil nach oben, rund 1,58 Euro kostete E10 am Donnerstag, Anfang des Jahres lag der Preis noch unter 1,40 Euro. In verschiedenen Regionen können die Preise unterschiedlich sein, das Wetter ist derzeit der Hauptgrund für die Verteuerung.

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Shell: Es kann vereinzelt Leerstände geben

Als mittelständisches Unternehmen sieht sich die Firma Roth sogar im Vorteil gegenüber großen Ölkonzernen wie BP oder Shell: Durch die eigene Lager- und Ausfuhrlogistik könne man flexible auf die Lage reagieren, sagte Jantsch. Temporäre Engpässe ließen sich besser auffangen. Kunden, die von der Firma Roth mit Heizöl beliefert werden, bemerken allerdings auch deutlich höhere Preise,

Das Niedrigwasser im Rhein ist auch für große Mineralölkonzern wie Shell problematisch: "Der gesamte Markt steht derzeit mit Blick auf die Versorgung von Tanklägern und damit auch Tankstellen vor einer grossen Herausforderung", sagte Shell-Unternehmensprecherin Cornelia Wolber dem hr. Zwar werde alles getan, um auf Schienen und Straßen auszuweichen, aber auch Shell könne nicht ausschließen, dass es vereinzelt zu Leerständen an Tankstellen komme.

Vorsorge für den Kraftstoff-Notstand

Nicht alle sind von Schiffen auf dem Rhein abhängig, die Versorgung des Frankfurter Flughafens etwa ist anders abgesichert: Zwei Pipelines versorgen den Flughafen mit Kraftstoff, der direkt aus dem niederländischen Rotterdam kommt. Der Pegelstand im Rhein kann Deutschlands größtem Flughafen kaum etwas anhaben.

Damit in Deutschland kein Kraftstoff-Notstand eintritt, wird auch vom Bund vorgebeugt: Mineralölunternehmen sind im sogenannten Erdölbevorratungsverband. Der Verband wurde geschaffen, damit Konzerne auf eigene Kosten Reserven für Krisenzeiten vorhalten - geregelt wird das vom Bund. Hessen wurde Ende Oktober erlaubt, auf jene Erdöllreserven des Bundes zuzugreifen, es wurden Benzin- und Diesel-Vorräte freigegeben. Walther-Geschäftsführer Lobig sagte allerdings, die Unternehmen erreiche das am Ende nur in "homöopathische Dosen".

Warten auf Regen

Für das Kraftstoff-Problem gibt es derzeit nur eine Lösung: Regen. "Es bräuchte langfristig eine ganz andere Wetterlage", sagte hr-Wetterexperte Tim Staeger am Donnerstag, zwei bis drei Tage gemischtes Wetter würden nicht ausreichen, um den Rhein wieder mit Wasser zu füllen.

Und auf Regen in Hessen käme es auch gar nicht so an: "Wichtig ist das Einzugsgebiet vom Rhein an seinem Oberlauf: Die Alpen, der Schwarzwald und die Vogesen", sagte Staeger. Bisher sind ergiebige Regengüsse allerdings nicht in Sicht.