Miguel Pascual Sanina
Miguel Pascual Sanina hat ein "Problem": Er hat 60 Euro zu viel ausgezahlt bekommen. Bild © www.readitnow.info, picture-alliance/dpa (Archiv)

Ein Bankautomat spuckt in Frankfurt zu viel Geld aus, der ehrliche Kunde will den überzahlten Betrag zurückgeben. Doch das ist gar nicht so einfach - die Bank bockt.

Miguel Pascual Sanina hatte es eilig. Vor der Arbeit wollte der junge Software-Entwickler noch seine Haarpracht stutzen lassen. Auf dem Weg bemerkte der 24-Jährige jedoch, dass er zu wenig Bargeld einstecken hatte.

Also fragte der Frankfurter den Friseur nach dem nächsten Bankautomaten in der Nähe und wurde zur Postfiliale an der Eckenheimer Landstraße gelotst. Im Nachhinein keine gute Wahl, denn was Pascual Sanina anschließend erlebte, wird er so schnell nicht vergessen.

Fünfziger statt Zwanziger

Was war passiert? "Ich wollte 40 Euro abheben und habe zwei 50 Euro Scheine ausgespuckt bekommen", berichtete er im Gespräch mit www.readitnow.info. Er sei im ersten Moment etwas irritiert gewesen, als er die beiden braunen Scheine in der Hand hielt. "Ich habe gedacht, vielleicht habe ich bei der Eingabe was falsch gemacht. Aber ich hatte ja 40 eingegeben."

Weil er es eilig hatte, ging er erst mal zum Friseur und erzählte ihm die Geschichte. Dieser habe gemeint: "Lass stecken und behalte das Geld. Ist doch in Ordnung, wenn dir die Bank mal umgekehrt Geld schenkt."

Pförtner kann nicht helfen

Aber weil Pascual Sanina eine ehrliche Haut ist, wollte er 60 Euro zurückgeben. Seine erste Tat auf der Arbeit war der Griff zum Hörer. "Ich habe bei der Postbank angerufen und wollte mich mit der Filiale verbinden lassen", berichtete der 24-Jährige. Aber schon da tauchten die ersten Probleme auf, das Gespräch wurde unterbrochen. Wieder angerufen, gab ihm ein anderer Mitarbeiter im Call-Center der Bank den Ratschlag, in die Filiale zurückzugehen.

Gesagt, getan: Pascual Sanina fuhr in seiner Pause zur Bank. In dem Gebäude gab's jedoch keine öffentlichen Schalter, da es sich um ein Verwaltungsgebäude der Postbank handelte.  Also blieb ihm nur der hinter einer Glasscheibe sitzende Pförtner.

Der sagte ihm, so Pascual Sanina: "Ich bin nicht der Erste, dem das heute am Geldautomaten passiert ist." Ach so, dachte sich der Kunde und wollte dem Mann schon erleichtert die 60 Euro in die Hand drücken. Pustekuchen. Der achselzuckende Pförtner schickte ihn mit den Worten weg, dass er nicht helfen könne.

Mehrere Anrufe im Call-Center

Langsam war der 24-Jährige am Verzweifeln. "Ich wollte doch einfach nur das Geld abgeben." Aber ans Aufgeben dachte der hartnäckige IT-Fachmann nicht. Wieder rief er im Call-Center der Postbank an und bekam zu hören, dass er die Filiale am Goetheplatz in der Frankfurter City aufsuchen solle. Weil Pascual Sanina auf der Arbeit nicht nur fürs Däumchen drehen bezahlt wird, schrieb er der Postbank eine Mail mit seinem Anliegen.

Die Antwort der Bank konnte ihn nicht zufriedenstellen, sondern bedeutete die nächste Hürde beim Versuch, endlich die 60 Euro loszuwerden. Das Institut forderte ihn nämlich auf, der Fachabteilung für solche Fälle einen "schriftlichen Auftrag" in Form von Zusendung seiner persönlichen Daten zukommen zu lassen. Bei dem Frankfurter löste das Vorgehen nur noch Kopfschütteln aus. "So ein bisschen fühlt man sich verarscht. Ich will ja nur die Differenz zurückgeben. Eigentlich habe ja nicht ich das Problem, sondern die Bank."

Rechtlich nichts zu befürchten

So sieht das auch Jurist Dirk Linnemann. "Der Bankautomat respektive die Bank hat den Fehler gemacht und nicht der Kunde. Strafrechtlich würde nichts passieren, wenn er das Geld nicht zurückzahlen würde", sagte der Frankfurter Rechtsanwalt www.readitnow.info. Auf der Abrechnung von Pascual Sanina wurden mittlerweile tatsächlich nur 40 Euro abgebucht.

Noch hat der Software-Entwickler nicht auf das Schreiben der Bank reagiert. "Aber ich denke, dass ich das machen werde, weil ich ein ehrlicher Mensch bin." Dass Aufrichtigkeit nicht immer gleich zielführend ist, hat der 24-Jährige nun selbst leidvoll erfahren müssen.

Sendung: hr-fernsehen, hallo hessen, 17.05.2018, 16 Uhr



Ihre Kommentare Wie würden Sie sich verhalten? Geld zurückzahlen oder abwarten, was passiert?

72 Kommentare

  • Zurück geben un verdientes geld bringt nur unglück

  • Abwarten und Tee trinken.

  • Auf Grund meiner Ehrlichkeit würde mir wahrscheinlich noch ein Strick draus gedreht werden von der Bank, wenn ich den Versuch wagen würde es zu behalten. Find ich super von Herrn Sanina soviel Ehrlichkeit zu zeigen, nicht immer selbstverständlich heutzutage

Alle Kommentare laden