Nahverkehrszug am Bahnhof von Nidderau
Häufige Zugausfälle am Bahnhof von Nidderau ist für Reisende ein Ärgernis. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Pendler, die zu spät zur Arbeit kommen, Schüler, die sich wieder von den Eltern abholen lassen müssen: Nicht nur Betroffene fürchten, dass sich die häufigen Ausfälle von Regionalbahnen auf der Strecke Hanau-Friedberg nach den Ferien fortsetzen.

Fahrgäste der mittelhessischen Regionalbahn 49 sind Kummer gewohnt: Nachdem bereits im Februar und März auf der Strecke Gießen-Friedberg-Nidderau-Hanau wegen einer Grippewelle immer wieder Lokführer und damit Züge ausfielen, nahmen die Unregelmäßigkeiten auf der Strecke seit Mai bis zum Ferienbeginn wieder zu. Während der Sommerferien wird ein Teil der Strecke über andere Züge abgedeckt. Doch eine dauerhafte Lösung ist nicht in Sicht.

Das ist auch die Befürchtung von Lukas Ohly aus Nidderau (Main-Kinzig). Sollte sich die Situation nach den Ferien fortsetzen, will er eine Bürgerinitiative ins Leben rufen. Besonders Pendler und Schüler würden unter der Situation leiden. "Das ist für die Kommune kein tragbarer Zustand mehr."

Fast täglich Ausfälle

Der Grund: Vor den Sommerferien habe es fast täglich Zugausfälle gegeben, berichtet Ohly. "Und zwar gerade zu den morgendlichen Stoßzeiten und gegen Mittag, wenn Schüler aus Nidderau sich auf den Weg zur Schule nach Hanau oder wieder auf den Heimweg machten: "Mein 14-jähriger Sohn ist deswegen oft zu spät zum Unterricht gekommen." Als Pfarrer habe er von seinen Gemeindemitgliedern ähnliche Berichte gehört.

Der von der Bahn eingesetzte Ersatzbus sei häufig gar nicht gefahren oder überfüllt gewesen, sagt Ohly. Zudem habe der Bus fast eine halbe Stunde für die Strecke gebraucht, die mit dem Zug nur eine Viertelstunde gedauert hätte. "Also hätten Schüler eigentlich einen früheren Zug nehmen müssen, um nicht zu spät zu kommen."

"Nie am Vortag Informationen erhalten"

Besonders ärgerlich findet Ohly, "dass wir nie am Vortag Informationen über Zugausfälle erhalten konnten, um uns darauf einstellen zu können". Informationen dazu seien über die Apps der Bahn und des RMV immer erst kurzfristig verfügbar gewesen. Als Hilfsmaßnahme hätten manche Eltern Fahrgemeinschaften eingerichtet. "Aber auch das geht nur, wenn man sich rechtzeitig darauf einstellen kann." Er selbst habe seinen Sohn manchmal nach der Schule abgeholt, "aber das können nicht alle Eltern".

Zwar gilt während der Sommerferien ein neuer Fahrplan, bei dem nach Angaben der Deutschen Bahn andere Züge der Main-Weser-Bahn wegen Baustellenarbeiten zwischen Friedberg und Frankfurt über Hanau umgeleitet werden und bis zum 5. August die RB49 ersetzen. Doch danach ist wieder alles beim Alten.

"Die Leute sind frustriert"

Bei der Stadt Nidderau ist das Problem bekannt: "Die Leute sind frustriert, weil sie zu spät kommen, Ersatzverkehr ausfällt und nicht kommuniziert wird", berichtet die für das Thema öffentlicher Personennahverkehr zuständige Fachbereichsleiterin Katja Adams. "Die Beschwerden laufen dann bei der Kommune auf."

Zuständig für den Betrieb der Strecke Hanau-Friedberg, die an einem normalen Arbeitstag von durchschnittlich rund 5.000 Menschen genutzt wird, seien aber der RMV als Auftraggeber und die Deutsche Bahn. Adams ruft Betroffene dazu auf, jeden Zugausfall per Mail an [email protected] zu melden, damit dieser die Vorfälle registriert.

Zugausfälle zwischen Hanau und Friedberg
Bild © www.readitnow.info

Bahn: "Personalausfälle wegen Krankheit"

Die Deutsche Bahn räumt die Versäumnisse ein. "Wir haben tatsächlich seit Mai massive Personalprobleme wegen Krankheit gehabt", so ein Bahn-Sprecher auf Anfrage von www.readitnow.info. Der Abschnitt Friedberg-Hanau sei davon besonders betroffen gewesen. "Wir haben uns entschuldigt, das darf so nicht passieren." Man arbeite daran, das Personal aufzustocken. Wie viele Menschen genau zusätzlich eingesetzt werden sollen und ob die zuvor von der Bahn bis Juni angekündigten Neueinstellungen bereits stattgefunden haben, ließ die Bahn unbeantwortet.

Auch habe es einen Rückstau wegen Reparaturmaßnahmen gegeben. Dieser sei entstanden, weil eine Werkstatt in Frankfurt wegen Bauarbeiten bis Oktober nur eingeschränkt angefahren werden könne. Jetzt sollen die Reparaturen auch an anderen Orten stattfinden.

Pro Bahn spricht von längster Grippewelle aller Zeiten

Auch dem RMV ist bewusst, dass es auf der Strecke zwischen Gießen und Hanau immer wieder Ausfälle gibt. "Wir sehen das mit großer Verärgerung", sagt RMV-Sprecher Maximilian Meyer. "Uns ist wichtig, dass die von uns bei der Bahn bestellten Fahrten auch stattfinden." Zahlen, wie häufig die Fahrten ausfallen, lägen dem RMV noch nicht vor. Sollten sich die Ausfälle fortsetzen, wären jedoch auch Strafzahlungen möglich.

Der hessische Fahrgastverband "Pro Bahn" zweifelt daran, dass die Bahn künftig zuverlässiger wird. Die Deutsche Bahn scheine es mit einer der längsten Grippe-Wellen aller Zeiten zu tun haben, moniert Pro-Bahn-Sprecher Thomas Kraft. Die wahre Ursache aber sieht er woanders: "Das Land Hessen und der RMV schreiben zu wenig Fahrzeuge und zu wenig Personal aus. Das ist der wesentliche Kernpunkt des Problems."